photo

Um das grüne Wahlprogramm ging es vergangene Woche in Linz. Rudi Anschober und die Wahlkreis-SpitzenkandidatInnen präsentierten die grünen Ideen für die nächste Legislaturperiode, Eva Glawischnig und Alexander Van der Bellen (Video) streuten der Arbeit der oberösterreichischen Grünen Rosen. Soviel dazu, was mich in den letzten Tagen vor allem beschäftigte war jedoch die Aussage einer jungen grünen Sympathisantin in einem Gespräch beim Buffet.

Sie wundere es nicht, dass die Grünen bei den Jugendlichen Stimmen verlieren, da die KandidatInnen in ihren Wahlprogrammreden schlichtweg nicht die Sprache der Jugend sprechen würden. Viele Fremdwörter hier, wenig kommunizierte Jugendthemen dort – gerade beim Thema Energiewende gelänge es nicht, die Jugendlichen emotional anzusprechen obwohl der Klimawandel die größte Herausforderung unserer Generation darstellt und hier Lehrstellen, Bildungschancen und Jobs für junge Menschen geschaffen werden. Vielleicht sind andere Chancen und Probleme in den Lebensrealitäten junger Menschen aktueller und präsenter.

Was ist an diesem Vorwurf dran? Die Jugend ist nicht politikverdrossen sondern sie will mitgestalten und mitentscheiden – bei dieser Feststellung schließe ich mich dem Politiker, dem Blogger und der Journalistin gerne an. Dennoch scheint es momentan, als ließe sich die österreichische Jugend schwerer für grüne Politik gewinnen als noch vor wenigen Jahren, auch die Stärke der FPÖ im Wahlverhalten junger Menschen lässt sich nicht wegleugnen.

Gibt es bei Jugendlichen eine allgemeine Unzufriedenheit mit PolitikerInnen und Parteipolitik oder reden wir von grünspezifischen Problemen? Liegt es an der Sprache, an den Kommunikationskanälen, an den Inhalten oder am personellen Angebot? Oder ist dies nur ein medial konstruiertes Problem, das sich im Wahlverhalten und parteipolitischen Engagement gar nicht widerspiegelt? Ich freue mich auf eure Einschätzungen und Diskussionen!

Discussion - 3 Comments
  1. Tom Schaffer

    Sep 16, 2009  at 01:30

    Legalisierung von Filesharing und leichten Drogen. Mit den Themen würden die Grünen schnell auch wieder vermehrt Junge ansprechen. Es ist halt in den letzten Jahren nicht (öffentlichkeitswirksam) über derartige, emotionale Themen gesprochen worden, die vor allem die Jugend betreffen (hunderttausende jugendliche werden für Dinge kriminalisiert, die eben hunderttausende Altersgenossen tun).

    Die Jugendthemen, die hingegen angesprochen werden (Bildungspolitik, Jugendarbeitslosigkeit) sind imo oft einfach spröde und abstrakt und da ist es auch nicht wirklich einfach, die Unterschiede zwischen den Parteien zu sehen. Denn natürlich sagt jede Partei “wir wollen das beste Bildungssystem” und “kein Jugendlicher soll arbeitslos sein” – und welches “Wie?” da nun das beste ist, ist nicht eindeutig und deshalb mobilisiert und begeistert sowas auch nicht (man könnte das möglicherweise auch besser machen).

    Antworten

  2. Gerhard W. Loub

    Sep 16, 2009  at 01:30

    Als ÖVPler kann ich natürlich keine rein objektive Einschätzung abgeben, glaube aber, dass Du schon wesentliche Punkte angesprochen hast: So ist die unverständliche Polit-Sprache ein Problem aller Parteien außer FPÖ und BZÖ: http://www.loub.at/index.php/2009/06/04/die-richtige-sprache/. Bei den Grünen kommt mE noch dazu, dass die Verjüngung versäumt wurde und die Grünen dadurch ihr Image als “Jugendpartei” verloren haben. Zudem spiegelt die Themenbehandlung (Stichwort: Integration) nicht die Sorgen und Probleme der Jugendlichen im Alltag wieder. Ganz im Gegenteil, hier fühlen sich Jugendliche, die ein Problem mit Migranten haben, als Ausländerfeinde abgestempelt und betrachten die Grünen Lösungsvorschläge als realitätsfremd. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus diesen Faktoren, die dafür gesorgt haben, dass die Grünen ihre Stellung als Nummer 1 bei der Jugend verloren haben.

    Antworten

  3. michael

    Sep 21, 2009  at 01:30

    @Tom Schaffer,

    die Legalisierung von Drogen und die damit einhergehende Entkriminalisierung der Konsumenten ist durchaus eine sinnvolle Idee. Die gegenwärtige Prohibitionspolitik verursacht in der Tat erhebliche Kosten, vor allem durch die Tatsache, dass der Markt schlichtweg illegal ist, woraus v. a. Aufwendungen für die Gesetzesanwendung resultieren. Dennoch fände ich es ein Stück weit befremdlich, würden die Grünen nun in populistischer Manier den Fokus auf die Drogenlegalisierung setzen, nur um junge Wähler zu ködern. Die Legalisierung mag ja schön und gut sein, aber ist das ein Thema, das den jungen Menschen gerade jetzt unter den Fingernägeln brennt? Sollte man das Hauptaugenmerk wirklich auf Drogen legen oder ist es nicht doch sinnvoller, brisante Themen wie Jugendarbeitslosigkeit, Wohnungsförderung, Umwelt- und Klimapolitik und auch Integration besser zu kommunizieren, damit sie beim betreffenden Publikum auch ankommen?

    Wenn man nicht engagiert ist, diese Themen “jugendkonform” zu kommunizieren, läuft man Gefahr, dass diese Wählergruppe den rechten Parteien anheim fällt, wie es heute bedauerlicherweise der Fall ist.

    Antworten

Kommentar hinterlassen