
Die vergangenen vier Tage verbrachte ich in der wunderbaren dänischen Hauptstadt Kopenhagen, wo in zweieinhalb Monaten der wichtigste internationale Klimagipfel seit Kyoto stattfinden wird. Am Programm standen zuerst zwei Tage Stadterkundung und danach zwei Tage Kick-off Veranstaltung des internationalen TH!NK ABOUT IT Blogwettbewerbs zum Thema Klimawandel (Informationen folgen in den nächsten Tagen). Auch wenn man in so kurzer Zeit nur einige wenige Eindrücke einer Stadt aufnehmen kann, so konnte ich einmal mehr fünf wichtige Erkenntnisse gewinnen:
(1) Für bessere Rahmenbedingungen und Kommunikation bei der Energiewende!
Dänemark macht vor, wie Energiepolitik funktioniert: Attraktive Einspeisetarife, weltweit bekannte Vorzeigeprojekte, klar kommunizierte Ziele (“Kopenhagen wird CO-2 neutral bis 2025″) und gemeinschaftliche, sichtbare und umfassende Investitionen in Windräder und andere Anlagen sorgen für eine Entlastung der Umwelt, für Bewusstseinsbildung bei den Menschen und für tausende neue Arbeitsplätze, beispielsweise beim Windräder-Weltmarktführer Vestas. Durch gute Rahmenbedingungen am Heimmarkt und den Export von Know-how und Produkten wird so die eigene Wirtschaft gestärkt!
(2) Für Beteiligung der Menschen bei der Erzeugung ihrer eigenen Energie!
Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass die verbrauchte Energie von einem Windrad statt von einem Gasfeld kommt. Es ist aber ein noch besseres Gefühl, wenn man darüber hinaus selbst am wirtschaftlichen und umweltpolitischen Erfolg des Windrads teilhaben kann! Denn egal ob Windrad, Solarpark oder andere Infrastrukur zur Erzeugung erneuerbarer Energie: gemeinsame Beteiligungsmodelle sorgen für mehr Mitsprache und höhere Identifikation der BürgerInnen! Gerade für kleinere und mittlere Gemeinden ergibt sich durch gemeinschaftlich errichtete Anlagen die Chance, dass die BürgerInnen gemeinsam ihre Energieerzeugung in die eigene Hand nehmen und sich dadurch von schmutziger Energie aus dem Ausland unabhängig machen!
(3) Für eine Radverkehrsoffensive in den Städten!
Schon bei der Ankunft am Hauptbahnhof verschlägt es einem die Sprache: hunderte abgestellte Fahrräder beweisen, was eine fahrradfreundliche Stadtentwicklung bewirken kann. Von sicheren Fahrradspuren bis ausreichenden Abstellmöglichkeiten zeigt dieses Paradies für RadfahrerInnen, dass das Fahrrad nicht nur das beste, sondern auch ein sehr sicheres Fortbewegungsmittel für die Stadt sein kann. Dementsprechend weniger Autos auf den Straßen sorgen für eine Entlastung der Umwelt und mehr Sicherheit, Gesundheit und Lebensqualität bei den Menschen. Nicht zuletzt auch die positiven wirtschaftlichen und kulturellen Auswirkungen zeigen, dass ein umfassendes politisches Bekenntnis zum Radverkehr gerade in Wien notwendiger denn je ist!
(4) Für mehr Original- und Zweikanalprogramm im Fernsehen!
Vom Busfahrer bis zur Schülerin, von der Passantin bis zum Trafikanten: hier spricht jeder Mensch perfekt Englisch! Das freute mich sowohl als überzeugter Europäer als auch als orientierungssuchender Tourist. Und ein Blick ins TV-Programm zeigt, wie das Fernsehen zu den kollektiven Englischkenntnissen beitragen kann: Sämtliche englischsprachige Filme und Serien werden hier im Originalton mit Untertiteln gezeigt während in Österreich fast ausschließlich auf – angesichts des großen deutschsprachigen Markts vorhandene – Synchronfassungen gesetzt wird. Anstatt das Angebot weiter zu verringern, muss der ORF wieder mehr Programm im Original- oder Zweikanalton anbieten, vor allem auch zu einer besseren Sendezeit als spätnachts! Dies wäre auch eine sinnvolle Erfüllung seines öffentlich-rechtlichen Auftrags.
(5) Für ein Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden!
Man merkt es persönlich an den Abenden: die Atmosphäre in den Lokalen ist angenehmer, man fühlt sich nach dem Fortgehen frischer und man kann sein Gewand auch am nächsten Tag noch tragen. Die positiven Auswirkungen auf das persönliche Wohlbefinden, auf die eigene Gesundheit und auf das Gesundheitssystem im Allgemeinen nicht zu vergessen! Ein Großteil der europäischen Länder hat bereits erfolgreich ein Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden eingeführt und auch Österreich muss endlich diesen Schritt setzen! Denn die aktuelle Kompromisslösung ist weder für Gastronomie noch für KonsumentInnen zufriedenstellend und wird ohnedies in absehbarer Zeit aufgrund von EU-Maßnahmen fallen.
Diese fünf Erkenntnisse sind politisch umsetzbar! Manche sofort, manche im Laufe einiger Monate bzw. Jahre. Doch auch wenn die Politik so wie hierzulande bei der Energie- und Verkehrspolitik oftmals andere Prioritäten setzt, müssen wir nicht aufgeben: viele dieser Ideen lassen sich von der eigenen Gemeinde ausgehend von vielen engagierten Menschen umsetzen!
Wir können unsere Energiegewinnung in die eigene Hand nehmen, wir können die Botschaft mutiger KlimaschützerInnen und innovativer ÖkounternehmerInnen in die Welt tragen, wir können wehrhaft den öffentlichen Raum nicht allein den Autos überlassen, wir können zahlreich beim ORF für unsere Qualitätsanliegen intervenieren und wir können als KonsumentInnen rauchfreie Lokale fördern! Lernen wir von den guten Ideen anderer Länder und machen wir Österreich dadurch noch lebenswerter!

Discussion - 5 Comments
Uli Feichtinger
Sep 23, 2009 at 23:24
Super, Andreas! Ja, es ist machbar!
Steter Grüner Tropfen höhlt den Stein…
Gibt es in Dänemark bzw. Kopenhagen starke Grüne oder sind die anderen Parteien von selbst auf diese Ideen gekommen? Konntest Du da was in Erfahrung bringen?
Michael
Sep 23, 2009 at 23:24
Ich bin kein Grüner und ich drück auch schon fest die Daumen dafür, dass Kopenhagen scheitert. Aber bei dem mit dem Zweikanalton kann ich nur zustimmen. Interessanterweise schafft das übrigens die Schweiz. Deren öffentlich rechtliche Fernsehprogramme senden die meisten englischen Programme im Zweikanalton (z.B. Simpsons, Dr. House, usw.). Ich hab aber keine Ahnung ob das eine politische Entscheidung war oder ob sie das “freiwillig” machen.
Jürgen Koprax
Sep 23, 2009 at 23:24
Ich bin fest davon überzeugt, dass Kopenhagen das Ziel erreichen wird! Wenn alle an einem Strang ziehen kann es nur funktionieren.
Die SPÖ in Wien hätte alle Möglichkeiten, nur nicht den Mut zu verändern. Das kann daran liegen, dass sie keine Fehler machen wollen, um ja nicht ihre Macht zu verlieren. Oder liegt es vielleicht daran, dass sie intern schon lange nicht mehr an einem Strang ziehen?
Armin Soyka
Sep 25, 2009 at 23:24
@michael, warum willst du, dass sie scheitern?
Mathias Baumgart
Sep 25, 2009 at 23:24
Was willst du denn, Andreas – Punkt fünf ist doch bereits umgesetzt!
Hierzulande haben wir ein definitives und striktes Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden. Nur sollte man halt nicht Öffentlichkeit mit Privateigentum verwechseln…