Ein interessanter Wahlsonntag steht vor der Tür wenn wir morgen die grüne Landesliste für die Wiener Gemeinderatswahl wählen. Obwohl wir Grünen damit als einzige Partei eine basisdemokratische Listenerstellung anbieten und einige spannende und sicherlich auch überraschende Ergebnisse zu erwarten sind, scherten sich traditionelle und neue Medien in den letzten Wochen wenig um dieses Ereignis. Denn die öffentliche und mediale Dynamik, die die Aktion Grüne Vorwahlen im Frühjahr ausgelöst hat, wurde bekanntlich leider mutlos abgewürgt.
So hilft auch die interaktivste KandidatInnenplattform mit den modernsten Hearingvideos leider wenig, wenn die vielen potenziellen grünen MultiplikatorInnen über Monate hinweg systematisch demotiviert wurden. Wie schade dies ist, zeigt ein Blick auf die Kandidaturen, die neben den geläufigen grünen Positionen auch einige neue Ideen und zahlreiche interessante Persönlichkeiten und Sichtweisen beinhalten.
Worum es geht, illustriert das oben eingefügte Wordle, das ich mit den Texten aller Kandidaturen gefüttert habe. “Wien”, “grünen”, “Menschen”, “Stadt” und “Politik” stehen hier an prominentester Stelle, es geht also wenig überraschend um eine grüne Politik für die Menschen in der Stadt Wien. Thematisch beschäftigen sich die Kandidaturen vor allem mit “klassischen” grünen Themen wie Demokratie, Gesellschaft, Bildung, Ökologie, Integration, Kultur, öffentlicher Raum, Arbeit, Schule oder Jugend.
Spannend wird es vor allem dort, wo KandidatInnen die Frage nach ihrer ungewöhnlichsten Idee wörtlich nehmen und über traditionelle grüne Forderungen hinausdenken. Beispielsweise wenn Michael Schober fahrerlose Ministraßenbahnen vorschlägt, wenn sich Armin Soyka als politischer Mobilitätsdienstleister definiert, wenn Birgit Hebein den unpopulären Rückbau von Straßen anspricht, wenn Klaus Werner-Lobo eine “Akademie für gute Nachbarschaft” entwirft oder wenn Momo Kreutz die Öffnung muttersprachlichen Unterrichts von MigrantInnen für österreichische Kinder als Fremdsprachenunterricht fordert.
Über den eigenen Tellerrand geblickt wird auch wenn Martin J. H. Mair Schwachstellen der grünen Partei anspricht, wenn David Reith Probleme der grünen Kommunikation aufzeigt, wenn Christoph Chorherr eine bessere Darstellung grüner Politik anhand konkreter Projekte fordert oder wenn Hans Zeger appelliert neue Wählergruppen anzusprechen.
Interessante Anregung erhält man auch wenn Monika Vana Wienpolitik als Europapolitik definiert, wenn Niki Kunrath Sicherheit in all ihren Facetten betrachtet, wenn Patricia Davis ihre Gedanken zum öffentlichen Raum äußert, wenn Waltraud Antonov Jugend- und Seniorenpolitik verbindet oder wenn Erdal Kalayci sozioökonomische Probleme beim Integrationsthema in den Vordergrund rückt.
Wenn Maria Vassilakou aufruft zu “Pionieren der modernen Stadtdemokratie” zu werden oder wenn Fanny Rasul treffend feststellt, dass wir alle “ExpertInnen unserer eigenen Lebensrealität” sind, wird mir wieder gezeigt, dass ich grüne Politik gerade auch aufgrund ihrer ambitionierten Vorhaben und unterschiedlichen Perspektiven schätze. Und nicht zuletzt sei auf die motivierenden Kandidaturen von David Ellensohn, Martin Margulies und Marco Schreuder stellvertretend für die zahlreichen guten Kandidaturen hinzuweisen.
Obwohl ich aus terminlichen Gründen das Angebot der Hearings vor Ort leider nicht in Anspruch nehmen konnte, konnte ich mir wie viele andere Stimmberechtigte, die über die Aktion Grüne Vorwahlen als UnterstützerInnen angenommen wurden, ein gutes Bild über die KandidatInnen machen. Dort wo ich nachhaken wollte, erhielt ich über die Interaktionsmöglichkeiten der Webplattform rasche Antworten auf meine Fragen.
Die Listenerstellung wird also zur Qual der Wahl, bei der es leider und glücklicherweise mehr gute Kandidaturen als aussichtsreiche Listenplätze gibt. Angesichts dieses breiten personellen und inhaltlichen Angebots freue ich mich aber umso mehr, bei der Landesversammlung mitzubestimmen!
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Danke, richtig, wichtig und super zusammengefasst.
Die Frage für die nächsten Jahre wird es sein, bei der nächsten Wahl genau dieses zu verhindern: “leider und glücklicherweise gibt es mehr gute Kandidaturen als aussichtsreiche Listenplätze.”
Weil grün wachsen muss…