
Wien hat viel zu bieten, vor allem wenn es um ein Überangebot an spannenden Veranstaltungen aus den Themenbereichen Politik, Nachhaltigkeit und Neue Medien geht, wie die vergangenen Tage und Wochen eindrucksvoll bewiesen haben. Aus diesem Grund folgt hiermit eine kurze Rückschau auf einige interessante Inhalte und Statements von Podiumsdiskussionen und anderen Events, auf denen ich zuletzt anzutreffen war.
Mitte Jänner traf sich in der Roten Bar des Wiener Volkstheaters zum Thema “Wie rechts ist Österreich” eine kontroversielle Runde, die ebendieses Thema trotz der ebenso vorhandenen weltanschaulichen Differenzen eindeutig pointierter und interessanter diskutieren konnte als zuletzt die Gäste des Club 2. Falter-Chefredakteur Armin Thurnher traf auf seinen vermeintlichen publizistischen Lieblingskontrahenten und Presse-Herausgeber Michael Fleischhacker, darüber hinaus waren die beiden Journalisten jeweils flankiert von einem ähnlich gesinnten Ex-Politiker mit der liberalen Heide Schmidt und dem konservativen Franz Schausberger. Die Diskussion ist dabei schnell erzählt: Thurnher ortete einen klaren Rechtsruck bei den vergangenen Nationalratswahlen, Fleischhacker interpretierte das Wahlergebnis vielmehr als Protest und brachte sodann seine wirre These von der FPÖ als soziale Partei mit eigentlich linken Forderungen. Dass systematisches Kokettieren mit dem Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und eine Politik gegen Schwächere und Zuwanderer jedoch sicherlich keine sozialen Thesen sind, konnten Thurnher und Schmidt dem Presse-Chefredakteur leider trotz vehementer Argumenter nicht klarmachen. Darüber hinaus nahm das liberale Duo die Wähler in die Pflicht, da diese wissen was sie damit mitwählen und Protestverhalten somit keine Entschuldigung für eine solche Wahl sein könne (Schmidt) bzw. man bei einer Partei die Programmatik anschauen müsse (Thurnher). Heide Schmidt war es auch, die mit zwei zentralen Feststellungen die Quintessenz der Thematik formulierte: “Es fehlt ein Sensorium für Menschenrechte in diesem Land” und “es ist eine Frage der politischen Kultur”, so die ehemalige Frontfrau des Liberalen Forums abschließend mit einem fast schon resignierenden Unterton.
Keine Spur von Resignation war bei Barack Obamas Inauguration als 44. Präsident der USA zu sehen, sicherlich das wichtigste Ereignis im Jänner, das daher auch hierzulande einige Begleitveranstaltungen mit sich brachte. Der frühere Washington-Korrespondent des ORF, Eugen Freund, mahnte im Zuge einer Buchpräsentation, Obama weniger als “Heilsbringer” sondern vielmehr als “Hoffnungsträger” zu sehen. Im Zuge eines Matinee des SPIEGEL lobte dessen Außenpolitik-Ressortleiter Gerhard Spörl Obamas methodisches Vorgehen und seinen Enthusiasmus, mit dem er eine ganze Generation an die Politik herangeführt hat und so eine Gegenbewegung zur Entfremdung der Politik begonnen hat. Obama sei “das Visionäre” und ein “Brückenbauer nach außen und innen hin”, so wiederum Prof. Manfred Prisching von der Universität Graz. Als Dritter im Diskussionsbunde erinnerte Altbundeskanzler Wolfgang Schüssel daran, dass Obama “politisches Profil insbesondere dadurch gewonnen hat indem er sich gegen den Mainstream positioniert hat”. Es müsse “eine neue, von Ideologien befreite Generation des Denkens einsetzen”, so eine überraschende Aussage Schüssels, der Europa aufforderte eine Lotsen- und Innovationsfunktion zu übernehmen und dabei die Chancen der Mittelmeerunion in Bezug auf eine gemeinsame Solarenergiegewinnung von Europa und Afrika als Beispiel für eine Politik des “Think Big” brachte. Den Schlusspunkt der Obama-Veranstaltungstrilogie setzte Prof. Stephen Wayne von der Georgetown University in Washington, der angesichts der seiner Meinung nach unrealistischsten Erwartungen, die jemals an einen neuen US-Präsidenten gestellt wurden, Obama dafür lobte, in seiner Inaugurationsrede die Erwartungen gesenkt aber gleichzeitig die Hoffnung aufrechterhalten zu haben. Darüber hinaus attestierte Wayne Obama einen risikoaversen, konservativen, vorsichtigen Stil und eine Vorliebe für logisches Denken, Pragmatismus und Konsenspolitik.
Was die Vortragenden bzw. Diskutanten der Obama-Veranstaltungen einte, war sicherlich die Bewunderung für dessen modernen Internetwahlkampf. Wie das Web 2.0 für nachhaltige Sozial- und Entwicklungspolitik eingesetzt werden kann, wurde in Wien im Rahmen der Veranstaltungen Sustain 2.0 und AfrikaCamp diskutiert. Sustain 2.0 gab es nicht nur mittels Vorträge interessante Einblicke in die Themen politische Partizipation (David Röthler), Crowdsourcing (Roland Dunzendorfer) und Social Entrepreneurship (Sophie Scholz), sondern auch im Zuge von anschließenden Round Tables die Möglichkeit persönlicher Diskussionen, bei denen ich einen interessanten politischen Gedankenaustausch mit dem Politiktrainer Karl Staudinger führen konnte. Das erste AfrikaCamp, ein “BarCamp zu All Things Africa”, widmete sich unterschiedlichsten Aspekten von Entwicklungsprojekten im Bereich Bildung, Gesundheit, Arbeit und Technologie in unterschiedlichen afrikanischen Ländern (ausführliche Berichte gibt es beispielsweise bei ICT4D, Jana Herwig und Kikuyumoja) und gab mir dadurch die Möglichkeit einen breiten und abwechslungsreichen Einblick in dieses wichtige und komplexe Themengebiet zu bekommen und dabei vor allem viele nette und engagierte Menschen kennenzulernen.
Wie man sieht, konnte ich in Punkto Veranstaltungsbesuche in den letzten Wochen einen spannenden Bogen von der österreichischen Innenpolitik, über den neuen US-Präsidenten bis hin zu Themen der Nachhaltigkeit und der Entwicklungspolitik spannen. Doch auch die nächsten Wochen bringen zahlreiche interessante Veranstaltungen, auf die ich in der Sidebar rechts gerne aufmerksam mache. Bei einigen davon werde ich sicher wieder anwesend sein und würde mich in diesem Sinne über persönliche Gespräche sehr freuen, um diese politische Online-Kommunikation auch auf Offline-Aktivitäten auszuweiten!
Fotocredits: CC by Karola Riegler




























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