
Die wichtigste Klimakonferenz seit Kyoto hat in Kopenhagen begonnen! Es war wie erwartet ein verhaltener Beginn auf dem Weg zur notwendigen Klimapolitikrevolution, zu sehr scheint man schon in die zweite Konferenzwoche mit den Besuchen von Obama & Co. zu schielen…
Klare, unklare Ansagen der EU: Die EU signalisierte gleich am ersten Tag, dass sie bereit ist, ihr CO2-Reduktionsziel von 20% auf 30% in 2020 zu erhöhen, sofern die USA und China ebenfalls ambitionierte Ziele vorlegen. Ob es in den letzten Stunden des Klimagipfels tatsächlich zu diesem Schritt der EU kommen wird und welche Zahlen genau von den USA und China erwartet werden, konnte man leider nicht erfahren. Davon abgesehen zeigt eine aktuelle Studie des Stockholmer Umweltinstituts im Auftrag von Global 2000, dass sogar eine Emissionsreduktion von 40% bis 2020 in der EU möglich wäre!
Hoffnung aus den USA: Die US-Delegation bekam heute Rückenwind aus dem eigenen Land: Die US Environmental Protection Agency verkündete offiziell, dass Treibhausgase eine Bedrohung für die Gesundheit und den Wohlstand der amerikanischen Bevölkerung darstellen (weshalb Obama für seine Emissionsreduktionspläne nicht mehr die Zustimmung des US-Senats bräuchte), und das US Geological Survey präsentierte eine Studie, gemäß derer die negativen Auswirkungen von CO2-Emissionen bislang unterschätzt wurden. Nachdem vor wenigen Tagen bekanntgegeben wurde, dass Barack Obama am letzten Konferenztag zur Klimakonferenz kommen wird, scheint trotz begründeter Bedenken beim US-Klimaschutzgesetz und bei den US-Emissionsreduktionsplänen eine ambitionierte Führungsrolle der USA in Kopenhagen möglich.
Österreichischer Fehlstart: Österreich machte gleich am ersten Konferenztag seinem Status als Klimaschlusslicht Europas alle Ehre. Der täglich vergebene Negativpreis “Fossil of the day” für Blockade der Klimaverhandlungen ging für die Verhinderung einer gemeinsamen EU-Position von Wald als Klimaschutzmaßnahme an die österreichische Delegation. Das kopf- und planlose klimapolitische Trauerspiel unter Umweltminister Berlakovich, bei dem Kanzler und Vizekanzler weiter peinlich wegschauen, scheint sich also auch in Kopenhagen fortzusetzen…
Information overload: Eines steht schon jetzt fest: Die bislang wichtigste Klimakonferenz wird auch die bislang medial präsenteste sein. Ein Blick lohnt sich auf die offizielle COP15-Website samt Livestreams, Facebook, Twitter, Blogs und YouTube. Auf Twitter liefert der Hashtag #cop15 laufende Infos, einschlägige Blogs wie Climateprogress, Grist, Worldchanging oder TH!NK ABOUT IT sind ebenfalls eine topaktuelle Anlaufstelle. In den Printmedien gab es heute erstmals ein gemeinsames Editorial von 56 Zeitungen aus 40 Ländern, das wenig überraschend vom umfassend aus Kopenhagen berichtenden Guardian initiiert wurde. Und ich sammle interessante Bookmarks wie gewohnt mittels Delicious.
Spannende Alternativkonferenz: Mit dem Klimaforum09 startete in Kopenhagen heute zeitgleich mit dem offiziellen Klimagipfel das für alle Menschen offene und programmäßig nicht weniger interessante Gegenstück zu COP15. Auch hier lohnt sich ein regelmäßiger Blick auf die Website sowie das Verfolgen der Geschehnisse mit dem Hashtag #klimaforum09 auf Twitter.
Video des Tages: Das offizielle Eröffnungsvideo spielt leider wieder einmal mit der Angst anstatt mit Zuversicht, hat jedoch bereits vielerorts einen bleibenden Eindruck hinterlassen und bringt mit “Please Help The World” immerhin die Kernbotschaft auf den Punkt:
httpvhd://www.youtube.com/watch?v=NVGGgncVq-4

Discussion - 2 Comments
Michael
Dez 08, 2009 at 03:23
Ich kann nur hoffen dass dieser Wahnsinn kolossal scheitert. Aber auf lange Sicht ist es eh wurscht – es ist vollkommen ausgeschlossen, dass sich die Menschen dem Diktat einer Gruppe heuchlerischer Politiker und Prominenter, die sich in ihrem Wahn einbilden das Klima verändern zu können, beugen werden.
Was immer die Chinesen, Inder, Amerikaner und Europäer auch beschließen – es ist vollkommen irrelevant. Die Menschen werden sich eine Reduktion ihres Wohlstands nicht gefallen lassen. Und speziell werden es sich die Milliarden Menschen, die jetzt noch in Armut leben nicht gefallen lassen.
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