
Weil es irgendwie interessant ist, was die anderen Menschen so auf den spannenden Fragebogen der beiden Studenten Michael Andres und Michael Moser zum Thema “Weblogs als alternative Kommunikationswerkzeuge” geantwortet haben, interessieren vielleicht die eine oder den anderen auch meine ausgewählten Antworten. Ich freue mich schon auf die gesammelten Ergebnisse auf ZurPolitik.com…
Motivation und Themen
Beschreiben Sie bitte in drei Sätzen Ihr Selbstverständnis als Blogger_in:
Citoyen, der durch Bereitstellung von Informationen und persönlicher Meinung zu politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen sowie Möglichkeiten der Diskussion und Vernetzung aktiv, eigenverantwortlich und gewissenhaft am Gemeinweisen teilnimmt. Interessiert an Förderung eines zukunftsgerichteten politischen Diskurses durch Präsentation, Diskussion und Weiterentwicklung eigener und anderer politischer Projekte, Anliegen und Ideen. Bemüht um eine kritische, regelmäßige und spannende Auseinandersetzung mit den wesentlichen politischen Herausforderungen unserer Zeit, i.e. Globalisierung, Generationengerechtigkeit (Bankenpaket, Pensionen, etc.), Klimaschutz/Energiewende/Resourcengerechtigkeit, Zukunft der Arbeit, Bildung.
Was war Ihre ursprüngliche Motivation mit dem Bloggen zu beginnen? Und was ist Ihre derzeitige Motivation zu bloggen?
Ursprünglich Neugierde sowie latentes Informations- und Diskussionsbedürfnis. Derzeit darüber hinaus Schaffen und Weiterentwicklung einer Plattform und eines Profils für etwaige zukünftige politische, wirtschaftliche oder zivilgesellschaftliche Vorhaben.
Was motiviert Sie zur Behandlung der gewählten Themenbereiche via Weblog?
Persönliches Interesse sowie Bedeutung dieser Themen für eine zukunftsfähige und gerechte politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Weiterentwicklung unserer Lebensumgebungen, von der kommunalen bis hin zur globalen Ebene.
In welchen gesellschaftlichen Bereichen sehen Sie Blogs generell als wirksames Instrument zur Unterstützung gesellschaftlicher Veränderungen?
Würde hier eigentlich keinen Bereich ausschließen, zumal das Web 2.0 immer breitere Gesellschaftsschichten erschließt.
Gibt es Situationen, in denen Sie den Einsatz von Blogs als Instrument der Diskussion und Meinungsbildung kritisch betrachten?
Blogs sind - wie jedes andere Medium auch - grundsätzlich immer kritisch zu betrachten, im Speziellen wenn die Personen, Ziele, Eigentums-/Interessensverhältnisse, o.ä. dahinter nicht klar ersichtlich sind.
Oft liest man die verkürzte Bezeichnung von Blogs als “Online-Tagebuch”. Wie definieren Sie Blogs?
Informations-, Vernetzungs- und Diskussionsmedium, das sich für eine Vielzahl an unterschiedlichen Anlässen und Themenbereichen eignet und mit anderen Onlinediensten sinnvoll verbinden lässt. Online-Tagebuch ist eine gute und einfache Metapher, jedoch unterscheiden sich zumindest Blogs mit größerer Reichweite in wesentlichen Bereichen von klassischen Tagebüchern (Öffentlichkeit, thematischer Fokus, Vernetzung, Interaktionsmöglichkeiten, etc.) weshalb diese Metapher etwas hinkt.
Blogging in Österreich
Wie würden Sie, in drei Sätzen, die österreichische Blogosphäre beschreiben?
In einer stetigen, positiven Entwicklung befindliche relativ übersichtliche Gesellschaft, deren beiden größten thematischen Schwerpunkte in den Bereichen Web/IT/Kommunikation und Politik liegen. Auch wenn das Internet ein grundsätzlich ortsunabhängiges, geschlechtsneutrales und grenzüberschreitendes Medium ist, so sind dennoch eine starke Wien-Konzentration, ein im Vergleich zur Gesamtgesellschaft deutlich geringerer Frauenanteil unter den BloggerInnen und die primär innerösterreichische anstatt internationale Vernetzung feststellbar. Grundsätzlich sehe ich - gerade im Bereich der politischen Blogs - die fehlende Vernetzung (insbesondere was blogübergreifende Diskussionen betrifft) und die fehlenden blogübergreifenden Aktionen als Schwachpunkt (man hat oftmals den Eindruck als “blogge einfache jedeR vor sich hin”).
Kann man laut Ihrer Einschätzung von einer aktiven “Blogger-Szene” in Österreich sprechen? Wenn ja, wie ist sie laut Ihrer Meinung organisiert bzw. vernetzt; wenn nein, was sind laut Ihrer Einschätzung die Hindernisgründe zur Herausbildung einer “Blogger-Szene”?
Ja, die österreichische Blogosphäre hat eine kritische Größe erreicht, aufgrund derer sowohl in Bezug auf die allgemeine Anzahl an bzw. Präsenz von Blogs als auch in Bezug auf einige herausragende Agendasetter- und Meinungsbildnerblogs man von einer aktiven Szene sprechen kann. Insbesondere werden BloggerInnen auch von anderen Online- und Offlinemedien immer öfter sowohl als ExpertInnen und GesprächspartnerInnen als auch als Gegenstand ihrer Beiträge aufgegriffen. Dennoch gibt es nicht DIE EINE österreichische Blogger-Szene, da sich die Vernetzung im Wesentlichen innerhalb einiger “Kreise” abspielt, die sich nicht zuletzt auch offline widerspiegeln. Wesentlicher Hindernisgrund ist meines Erachtens nach der zusätzliche Aufwand, der das aktive Verfolgen von bzw. Vernetzen mit anderen Blogs mit sich bringt. Auch eine Weiterentwicklung des eigenen Selbstverständnisses des Bloggens wäre dafür oftmals notwendig.
Sind Sie der Meinung, dass Blogs in Österreich den gesellschaftlichen Diskurs mitbestimmen? Falls ja, können Sie Beispiele hierfür anbringen?
Ja. Studierendenproteste, Aktion Grüne Vorwahlen, etc. - An diesen Beispielen zeigt sich auch, dass Blogs den gesellschaftlichen Diskurs am besten mitbestimmen können, wenn sie gemeinsam Themen aufgreifen und mit anderen Web 2.0 Medien interagieren.
Wie würden Sie die österreichische Blogosphäre nach politischen Kriterien (z.B. rechts/links, liberal/konservativ etc.) einschätzen?
Im Bereich der politischen Blogs sehe ich eine linksliberale Mehrheit, insbesondere GrünpolitikerInnen und -sympathisantInnen sind sehr stark vertreten. Dennoch ist im Verlauf der vergangenen ein, zwei Jahre auch bei den Großparteien die Anzahl an aktiven BloggerInnen deutlich gestiegen.
Was sind Ihrer Meinung nach die größten Stärken der österreichischen Blogosphäre?
Die größten Stärken sind das kontinuierliche Wachstum und einige herausragende Blogs, die Role Models für neue BloggerInnen darstellen können. Gerade in Wien stellt außerdem die Übersichtlichkeit der heimischen Blog-Szene samt vielen persönlichen Kontakten ein positives, identitätsstiftendes Merkmal dar.
Was sind, laut Ihrer Einschätzung, die größten Schwachpunkte der österreichischen Blogosphäre?
Neben der geringen Anzahl an wirklich hochqualitativen Blogs insbesondere die fehlende bzw. zu schwach ausgeprägte Vernetzung, siehe meine Anmerkungen zu den vorhergehenden Fragen.
Gibt es in Österreich Besonderheiten, welche die Themensetzung von Blogs betreffen? Kann man laut Ihrer Meinung sagen, dass über gewisse Themen in Österreich häufiger gebloggt wird als anderswo?
Dazu fehlt mir leider der internationale Vergleich. In Bezug auf meinen politischen Themenschwerpunkt Energiewende/Klimawandel/Resourcenverbrauch muss ich leider feststellen, dass hier keine österreichischen Blogs mit internationalen Vorbildern mithalten können.
Nennen Sie bitte drei österreichische Blogs, die Sie persönlich gerne besuchen?
Bloggen und Journalismus
Verfügen Sie über journalistische Vorkenntnisse? Wenn ja, inwiefern helfen Ihnen diese beim Blogging?
Nein.
“Blogger sind Blogger, Journalisten sind Journalisten”. Wie stehen Sie zu dieser Behauptung und welche Verbindungen sehen Sie zwischen Blogging und traditionellem Journalismus?
Per Definitionem sind BloggerInnen ebensowenig JournalistInnen wie reine Crossposting-Blogs einiger JournalistInnen wirkliche Blogs sind. Sowohl BloggerInnen als auch JournalistInnen können (sollten) jedoch Teil einer kritischen Öffentlichkeit seit, in welcher dem Journalismus als “vierte Gewalt” eine wesentliche Korrektur- und Kontrollfunktion gegenüber den drei eigentlichen Staatsgewalten zukommt. BloggerInnen können diese Funktion zu einem gewissen Grad ebenfalls ausüben, werden jedoch durch rechtliche Nachteile gegenüber JournalistInnen dabei gegenüber diesen benachteiligt. Beide Tätigkeiten würde ich daher eher als komplementär denn als substitutiv bezeichnen, wobei insbesondere Bloggen den klassischen Journalismus, vor allem den Qualitätsjournalismus, auf absehbare Zeit nicht ersetzen kann. Festzustellen ist aber, dass von klassischen JournalistInnen in Bezug auf ihre Qualifikation immer mehr eigentliche Blog-/Webfähigkeiten erwartet werden.
Behindert Sie die medienrechtliche Ungleichheit von Blogger_innen im Vergleich zu Journalist_innen bei Ihrer bloggerischen Tätigkeit?
Dies war noch nicht der Fall, ich kann mir jedoch vorstellen, dass dies im Falle des Zuspielens externer Informationen aufgrund des politischen Fokus meines Blogs in Zukunft eine punktuelle Behinderung darstellen könnte. In Bezug auf den Bereich der Politikblogs haben darüber hinaus bspw. Nationalratsabgeordnete gegenüber anderen politischen BloggerInnen den Vorteil der parlamentarischen Immunität.
Wie beurteilen Sie das Verhältnis zwischen Blogs und traditionellen Medien? Werden Blogs laut Ihrer Einschätzung von traditionellen Medien als Akteur im Informations- und Meinungssektor anerkannt und wie schätzen Sie das Konkurrenzverhältnis zwischen Weblogs und traditionellen Medien ein?
Ich denke Blogs werden von traditionellen Medien in Österreich (noch) nicht als Konkurrenz wahrgenommen. Demgegenüber werden sie jedoch immer öfter von anderen Online- und Offlinemedien aufgegriffen. Gerade große, gemeinsame Aktionen wie die Grünen Vorwahlen schlagen in den traditionellen Medien breite Wellen.
Herzlichen Dank für Ihre Teilnahme!




























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