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Arbeit ist in der heutigen Gesellschaft einer der zentralen Aspekte unseres Lebens, nicht zuletzt da Arbeitslosigkeit gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise ein stets präsenter Albtraum der ArbeiterInnen und PolitikerInnen ist. Für viele ist es immer noch selbstverständlich, für die Fahrt zur Arbeit stundenlang im Auto zu sitzen, Teilzeitarbeit mit einem Verliererimage zu versehen und im Falle von Nachwuchs auf die Karriere der Mutter zu verzichten.

Trotz Prekariat, Leiharbeit, Minijobs, Depression oder Burnout traut man sich die Eckpfeiler unserer Arbeitswelt nicht zu hinterfragen. Und viel zu selten wird auch der grundlegende Bezug von Arbeit zu Freiheit, Demokratie oder Gerechtigkeit kritisch analysiert…

Umso interessanter ist daher der folgende Gedanke von Robert Menasse. Dieser stellt in seinem hervorragenden, aktuellen Essayband “Permanenten Revolution der Begriffe” treffend fest, wie Menschen ihre Freiheit für eine Arbeit opfern, die ihnen wiederum eine andere Freiheit verspricht, die oft wiederum nur ideologisches Produkt unseres kapitalistischen Systems ist:

“Freiheit wird vernichtet, weil Arbeit die Menschen zu Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt macht, in einer Weise, dass sie zu immer größerer Willfährigkeit, Unterwürfigkeit und Bescheidenheit, zur Preisgabe ihrer Freiheit und ihrer sozialen Gefühle im Kampf um ihren Arbeitsplatz bereit sind. Sie geben für die Arbeit ihre Freiheit auf, weil ihnen Freiheit als Folge der Arbeit versprochen wird. (…)

Es ist unerträglich, Stunden und stundenlang sich auszumalen, was es bedeutet, dass die Mehrheit der Menschen auch und erst recht heute bedingungslos bereit ist, sich den Zwängen und Anforderungen eines Systems zu unterwerfen, um eine Freiheit zu erlangen, die dann selbst auch wieder nur ein ideologisches Produkt dieses Systems darstellt.”

Doch es gilt nicht nur unser grundsätzliches Verständnis von Arbeit zu überdenken. Arbeit ist beispielsweise auch ein wichtiger Ansatzpunkt für alternative Lösungen der Energie-, Klima- und Wirtschaftskrise, der Probleme unseres Sozial- und Gesundheitssystems oder der Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf. Schlagworte wie Green Jobs, Arbeitszeitverkürzung, Grundeinkommen, Väterkarenz, Telearbeit, Wissensarbeit oder Lebensarbeitszeit lassen grüßen…

Was bedeutet Arbeit für dich? Wo siehst du dich und andere im von Robert Menasse skizzierten Spannungsfeld zwischen Arbeit und Freiheit? Wie siehst du die Zukunft der Arbeit? Von welchen Zwängen und Denkmustern sollen wir uns lösen, um Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit, Klimawandel, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Verteilungsgerechtigkeit mit neuen Arbeitskonzepten zu begegnen?

Das sind nur einige der sicherlich vielen interessanten Fragen, die es zum Thema Arbeit zu stellen gilt. Ich freue mich über deine Antworten und Ideen!

Discussion - 10 Comments
  1. Cornelia Daniel

    Jan 24, 2010  at 21:23

    Ich sehe, dass immer mehr Menschen dem “Hamsterrad” entfliehen und versuchen neue Arbeitsmodelle zu finden. Ich selbst bin großer Fan von Teilzeitmodellen um in der freibleibenden Zeit wirklich SINN-volles zu tun und entweder ehrenamtlich zu arbeiten oder sich sein eigenes Unternehmen aufzubauen. Denn: Wer seine Arbeit liebt muss nie mehr arbeiten!

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  2. Robert Hanke

    Jan 24, 2010  at 21:23

    Wir können – vereinfacht durch die Krise – die Arbeitsmodelle zum Besseren hin verändern, aber wir werden Kapital aus dem überkommenen System benötigen, um aus den Startlöchern zu kommen.

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  3. Andreas Lindinger

    Jan 25, 2010  at 21:23

    Danke für die ersten Antworten! Ich denke, ihr greift damit zwei wesentliche Punkte auf: Zum einen werden immer mehr Menschen so wie ihr flexible Modelle nachfragen und vorleben und damit mittelfristig einen Wandel bewirken. Diese verstärkte Nachfrage der ArbeitnehmerInnen nach flexibleren Arbeitszeitmodellen, Väterkarenz, etc. ist sicherlich der wirkungsvollste Wegbereiter dieser Veränderungen, wenn sie genug Menschen fordern!

    Zum anderen gilt es die positiven Seiten des aktuellen Systems zu nützen, um seine eigenen Vorstellungen und Zukunftspläne in Bezug auf Arbeit umzusetzen! Auf diese Art kann auch der schöne Schlusssatz von Cornelia für jede und jeden von uns Wirklichkeit werden!

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  4. Alexander Hader

    Jan 25, 2010  at 21:23

    Eines vorweg: Klar ist, dass wir für unsere Bedürfnisse und unseren Lebensstil nicht die Arbeit für 6 Mrd. Menschen haben. Das heißt, nicht nur unsere derzeitige Wirtschafts-/Lebensstillage lässt das nicht zu, vielmehr die Globalisierung, die weltweite Vernetzung und die zunehmende Schwierigkeit Menschen aus der “dritten Welt” nicht am Weltmarkt mitmischen zu lassen verschärfen dieses Dilemma.
    Für mich kann die Zukunft der Arbeit nur ein komplettes “Neudenken” eines Arbeitsmodelles sein. Arbeitszeitverkürzung und mehr Zeit für gesellschaftliche Dinge ist eine Möglichkeit. Zeit zu erhalten, um selber kreativ werden zu können, um selber seine Berufung zu finden und dabei Begleitung zu erhalten ist eine andere Möglichkeit. Kurzarbeit und ein business as usual wird über kurz oder lang (eher kurz!) in die Sackgasse führen.
    SPES macht sich intensive Gedanken zu diesem Thema und arbeitet dabei auch mit internationalen ExpertInnen zusammen.

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  5. Cornelia Daniel

    Jan 27, 2010  at 21:23

    hab heute beim scibarcamp im lebensministerium einer interessanten session folgen dürfen. es ging um das buch: keynes grandchidlren von dem Schweden Christer Sanne, der übrigens auch anwesend war. keynes hat 1931 vorausgesagt, dass 2030 die menschen theoretisch nur mehr 15h arbeiten müssen um den rest der zeit sozialer arbeit und er freizeit zu widmen. dies gilt natürlich nur für die reichen leute in reichen ländern und wird politisch schwer bis gar nicht durchsetzbar sein. trotzdem ein ansatz den man sich näher ansehen sollte. ich finds außerdem unglaublich, dass er schon in den 30er Jahren über diese Themen geschrieben hat.

    http://bit.ly/cVOXeg

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  6. Eklis

    Jan 28, 2010  at 21:23

    Um als Vater in Karenz zu gehen, muss er schon ein Arzt oder Lehrer oder Politiker sein…….. eine Frau in einem `normalen`Beruf kann niemals die Familie ernähren…….. (ich als 3 fache Mutter).

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  7. Eklis

    Jan 28, 2010  at 21:23

    sorry, muss die Frau eine Ärztin, Lehrerin oder Politikerin sein….. um so gut zu verdienen wie ein Mann habe ich gemeint.

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  8. Andreas Lindinger

    Jan 29, 2010  at 21:23

    @Alexander: Danke für den Kommentar, ich denke in diese Richtung muss und wird es gehen. Viele der Wortmeldungen beim “Wachstum im Wandel”-Kongress, wo ich gerade bin, gehen natürlich auch in diese Richtung. Das Thema Arbeitszeitreduktion wird als essentieller Bestandteil einer möglichen Postwachstumsgesellschaft hier immer wieder erwähnt.

    Kurzarbeit ist natürlich nur eine kurzfristige Maßnahme, ich denke jedoch, dass sie bei manchen das Denken über Arbeitszeitreduzierung / Umverteilung von Arbeit anregen wird (und schlussendlich – denke ich – muss die Nachfrage nach diesen neuen Arbeits(zeit)modellen von den ArbeitnehmerInnen kommen). Insbesondere würde mich interessieren, wie die Menschen die durch die Kurzarbeit gewonnene Zeit genutzt haben, hoffentlich gibt es dazu auch bald wissenschaftliche Studien.

    Würde mich auch freuen, über Infos, Projekte, etc. in unserer Region zu erfahren, die im Rahmen deiner Arbeit umgesetzt werden!

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  9. Andreas Lindinger

    Jan 29, 2010  at 21:23

    @Eklis: Danke für den wichtigen Einwand – die Benachteiligung von Frauen, gerade beim Einkommen und Vermögen, erzeugt hier Ungerechtigkeiten und Zwänge, die die Handlungsmöglichkeiten für Frauen massiv einschränken.

    Gerade deshalb muss man das Thema der Zukunft der Arbeit von mehreren Seiten angehen, von Arbeitszeitreduktion über Umverteilung von Arbeit bis zu gerechter Entlohnung von Frauen.

    Gerade faire Löhne und flexible Arbeitsmodelle (inklusive Arbeitszeitreduktion) sind dabei zwei wichtige Maßnahmen, um eine faire, partnerschaftliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen!

    Gemeinsam mit einem besseren Angebot an Vatermonat, Vaterkarenz, Betreuungsmöglichkeiten, etc. wird dies dazu führen, dass immer mehr Eltern Familie und Beruf gerechter und freier gestalten können. Leider hat dies die Politik hierzulande noch nicht ausreichend erkannt…

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