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Demokratie & Netzpolitik » Frage zum Sonntag: Worunter leidet die Linkkultur in (grünen) Politikblogs?
31Jan

Frage zum Sonntag: Worunter leidet die Linkkultur in (grünen) Politikblogs?

blogparade

Gerne beteilige ich mich mit der heutigen Frage zum Sonntag bei der aktuellen Blogparade von Blögger und widme mich daher dem Thema der Link-Kultur in der österreichischen Blogosphäre. Ein Thema, das gerade auch für Politikblogs wichtig sein sollte. Doch trotz der interessanten Möglichkeiten wie des Lancierens von gemeinsamen Projekten, der Ideengewinnung durch blogübergreifendes Crowdsourcing, der Auseinandersetzung mit konträren politischen Standpunkten oder des Aufgreifens spannender Ideen von BürgerInnen und ParteikollegInnen ist die Kultur des Verlinkens unter politischen BloggerInnen nur wenig ausgeprägt.

Man betrachte die Situation bei uns Grünen: Jeweils rd. 50 grüne Blogs finden sich im Grünen Blogportal und auf Politikblogs.at, jedoch werden hier wie dort zahlreiche Blogs grüner FunktionärInnen, AktivistInnen und SympathisantInnen nicht aufgelistet. Die Gesamtzahl grüner und grünnaher Blogs dürfte somit wohl ungefähr in Richtung 100 gehen und unterstreicht damit zumindest zahlenmäßig das Potenzial für das politische Agenda-Setting im Web 2.0. Mit Blogs wie jenen von Christoph Chorherr, Peter Pilz oder Marco Schreuder befinden sich darunter außerdem einige der sicherlich besten und meistgelesenen Politikblogs des Landes.

Ob dieses Potenzial innerhalb der Partei erkannt wird, wage ich nicht zu beurteilen. Faktum ist jedenfalls, dass eine Verlinkung gerade im Simme eines gemeinsamen Starts grüner Projekte oder des gegenseitigen Aufgreifens grüner Ideen eher die Ausnahme als die Regel bildet. Stattdessen - und das gilt natürlich auch als Selbstkritik - wird öfter der Eindruck erweckt, als blogge jeder und jede schlichtweg zu den eigenen Themen vor sich hin. Vielleicht ist auch einfach der zusätzliche Aufwand des für das Verlinken notwendigen regelmäßigen Verfolgens der grünen Blogosphäre ein zu großes Hindernis.

Und obwohl das grüne Blogportal einen prominenten Platz auf der grünen Website hat, wurden auch von “Oben” noch keine mir bekannten Initiativen wie der gezielten Informationsbereitstellung oder strategischen Kampagneneinbeziehung der grünen Blogcommunity gesetzt. Insbesondere in Zeiten, wo das massenmediale Agenda-Setting für Parteien abseits von Asyl-, Neid- und Spaltungsdebatten immer schwieriger wird und wo sich der tägliche Medienkonsum gerade jüngerer Menschen immer mehr ins Netz verlagert, sollten wir trotz Facebook- und Twitter-Hype die Möglichkeiten des guten, alten Bloggens nicht unterschätzen.

Somit komme ich gleich zu meiner ersten Frage: Teilst du die Einschätzung der geringen Verlinkung innerhalb der (grünen) Politikblogs und welche Gründe siehst du hierfür? Ist es mit zu viel Zeit/Aufwand verbunden, fehlt das Bewusstsein für die Möglichkeiten des gegenseitigen Verlinkens oder existiert schlichtweg keine “Linkkultur”? Und welches Potenzial siehst du aus Sicht der Partei für gezielte Kommunikation politischer Themen und Kampagnen über diesen Kanal?

Erst vergangenes Jahr haben zwei Aktionen eindrucksvoll bewiesen, wie sich mit einer koordinierten Bekanntgabe in mehreren bekannten Blogs eine unheimliche Resonanz im Web erreichen lässt. Sowohl die Grünen Vorwahlen als auch Urlaub mit Freunden haben damit innerhalb weniger Tage nicht nur dank der Verlinkung in zahlreichen Blogposts die heimische Blogosphäre durchdrungen, sondern auch traditionelle Medien wie ORF, STANDARD oder PRESSE erreicht.

Wie soetwas bei uns Grünen aussehen könnte, hat Christoph Chorherr im Nationalratswahlkampf 2008 vorgezeigt: Der in seinem Blog veröffentlichte Aufruf für grüne Plakatideen fand großen Zuspruch unter BloggerInnen, die mit eigenen Plakatsujets in ihren Blogs zum Erfolg der Aktion beitrugen. Auch Klaus Werner-Lobos aktuelle Grüncamp-Initiative begann unter anderem mit einer Einladung in dessen Blog, die nicht zuletzt hier oder bei Susanne Zoehrer aufgegriffen wurde.

Hätte man eine breitere Wahrnehmung erzielt, wenn die Grüncamp-Einladung am selben Tag in den Blogs aller Wiener grünen GemeinderätInnen, FunktionärInnen und AktivistInnen veröffentlicht worden wäre? Wohl kaum, schließlich wurden die Bekanntgabe und Einladung auf Facebook übertragen, wo ebenfalls jeder - egal ob BloggerIn oder nicht - einen einfachen Beitrag zur Verbreitung der Idee leisten kann. Ähnlich wäre wohl Marie Ringlers #mut2010-Aktion vor zwei, drei Jahren noch über Blogs gelaufen. Heutzutage bot sich mit Twitter ein besseres Medium zur Ideengeneration an, bei dem die Retweet-Funktion zumindest als Reminiszenz an die Linkkultur der Blogs gesehen werden könnte.

Somit komme ich zu meiner zweiten Frage: Facebook und Twitter haben in den vergangenen Jahren einige Aufgaben von Blogs übernommen. Während bei Letzteren die Verlinkung zu wünschen übrig lässt, erfreuen sich die Share- bzw. Retweet-Funktionen der sozialen Netzwerke weiterhin regen Zuspruchs. Besteht deiner Meinung nach ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Linkkultur in den Blogs und dem Aufstieg der Verteilkultur in den sozialen Netzwerken?

Ich freue mich auf deine Antworten!

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Verfasst am 31.01.2010 um 23:52 Uhr von Andreas Lindinger mit den Stichworten , , , , , , , .
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Kommentare

  1. cheeseman01.02.2010

    Hallo!

    Sehe hier grundsätzlich am ehesten ein kulturelles Problem. Wir - vom Verein Alpine Geckos - sind erst seit einem Jahr am bloggen und es kommt mir vor, als wäre die österreichische Blogger-Szene erst im entstehen und zusammen wachsen, sind halt auch ein etwas kleineres Land. Wenn man AT mit UK oder GER vergleicht, wählt man die falsche Dimension, dort sind halt auch viele Experten voluntär am posten, da ist das Potenzial bei uns einfach nicht so groß.

    Glaube der nächste Schritt wird wie von die geschrieben die Vernetzung sein. Bemerke dies bei mir und den Initiativen bei denen ich mitwirke und in meinem umfeld. Realisiere von Tag zu Tag, dass ich bei weitem nicht alleine bin mit dem was ich mache und was mich interessiert, aber dafür braucht es halt auch Zeit. Aber, es bewegt sich was!

    Was zum Beispiel für mich ein kleines Problem ist, sind die parteipolitischen Blogs. Verfolge Soyka, Guensberg und dich und der Inhalt ist gut bis exzellent, aber bin halt aus dem dritten Sektor und tue mir doch öfters schwer mit der Parteipolitik. Bin aber auch mit den Grünen aktuell nicht sehr glücklich, das spielt da sicher auch stark mit. Bin ja Grünwähler seit jeher und der Partei am nähesten, aber ob diese Institutionen die Lösung für die Probleme dieses Jahrhunderts bieten und durchsetzen können, bezweifle ich von Tag zu Tag mehr.

    Was definitiv gut wäre ist ein Treffen zwischen den Aktiven. Nur so können tiefere Verbindungen entstehen, welche sich dann übers Netz fortsetzen.

    Zu mir/uns: Komme/n aus der Region Vöcklabruck, da dürfte doch alles noch um eine Spur langsamer vor sich gegangen sein was web 2.0 betrifft.

    http://www.alpine.geckos.at Sind ein junger Verein zu Bergsport, Umweltschutz und Geowissenschaften aus der Region Vöcklabruck/Salzkammergut Wer bei uns mithelfen will ist gerne eingeladen uns zu schreiben.

    Grüße, Stefan

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  2. cheeseman01.02.2010

    PS: Kennst du an Gregor Sieböck? Ist ja aus deiner Region, wenn ich es richtig im Kopf habe sogar aus Nußbach.

    Grüße, Stefan

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  3. egal ob auf blogs, facebook oder twitter: man merkt relativ schnell, wer nur verlautbart oder wer mitteilung als einen akt des teilens und der teilhabe versteht. wer also konkurrenz und wer kooperation zur handlungsmaxime macht. die zukunft liegt bei zweiterer.

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  4. @Klaus: Da hast du grundsätzlich sicher recht. Aber es hängt sicher nicht nur von der Bereitschaft zu Kooperation ab, da nicht jeder und jede die gleichen Möglichkeiten hat, den Geschehnissen auf Facebook/Twitter zu folgen. Manche können dies in ihrem Alltag einfach integrieren, andere sind bspw. aufgrund ihres Berufs 8 Stunden pro Tag davon abgeschnitten bzw. können deswegen nur eigene Informationen verbreiten aber nicht andere verfolgen.

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  5. @Stefan: Gregor Sieböck kenne ich leider nur vom Namen bzw. seinen Aktivitäten her, jedoch nicht persönlich. Ja, soweit ich weiß, ist er auch aus Nußbach.

    Mit der Größe/Entwicklung sprichst du einen wichtigen Faktor an. Andererseits bietet die übersichtliche Größe der österreichischen Blogosphäre jedoch auch den Vorteil, dass man leichter einen guten Überblick bekommt bzw. wesentliche Entwicklungen einfacher mitbekommt.

    Treffen zur Vernetzung gibt es übrigens regelmäßig von Bloegger.at, unter anderem diesen Mittwoch: http://bloegger.at/2010/01/blogtail-9/

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  6. cheeseman02.02.2010

    Danke für die Antwort. Bin gerade in Lech auf Saison, also mit Treffen wirds die nächsten Wochen mal nix, aber hoffentlich im Sommer.

    Grüße, Stefan

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