In Salzburg bewegt seit rd. einem Monat die Debatte um ein neues Stadion für die aufstrebende Salzburger Austria die Gemüter. Als Anhänger des Regionalligavereins ist es mir nicht nur aus persönlichem Interesse sondern auch aufgrund der sportlichen Chancen und gesellschaftlichen Bedeutung ein besonderes Anliegen, die positive Entwicklung des Vereins mitzugestalten, weshalb ich zu 100% hinter dem Stadionprojekt stehe.

Umso erzürnter war ich daher heute Abend beim Lesen des SN-Artikels “Padutsch: ‘Dieses Stadion ist tot’” und erkundigte mich daher direkt beim Stadtrat und Parteikollegen Johann Padutsch, ob das darin geschilderte frühzeitige Ende des Stadionprojekts stimmt. Den wesentlichen Inhalt meiner E-Mail möchte ich hier in (für den Blog) leicht abgeänderter Form posten, da er meiner Meinung nach die wesentlichen Kritikpunkte des SN-Artikels entkräftet.

Sollte das frühzeitige Ende des Stadionprojekts tatsächlich der Fall sein und die Stadtpolitik aufgrund der genannten Widerstände die Austria und damit insbesondere ihre aufstrebende erste Mannschaft, die rd. 220 NachwuchsfußballerInnen, die zahlreichen freiwilligen HelferInnen und nicht zuletzt die tausenden AnhängerInnen vor den Kopf stoßen, so wäre dies in vielfacher Hinsicht eine große Enttäuschung.

Denn gerade die beiden im Artikel genannten Gründe für das vermeintliche Sterben des Stadionprojekts sind für mich nicht nachvollziehbar: Zum einen ist Politik wohl in 99% der Fälle mit Widerständen verbunden und es ist klar, dass sich bei einem solchen Infrastrukturprojekt reflexartig kritische Stimmen zu Wort melden.

Dass sich darunter eine im Hinblick auf die nächsten Landtags- und Gemeinderatswahlen polemisch vorgehende ÖVP befindet, ist nicht weiter verwunderlich. Dass sich darunter ein Funktionär befindet, der unter dem Deckmantel der “Plattform Jugendsportförderung” seine persönliche Rechnung mit der Austria begleichen will, ist ebensowenig verwunderlich. Ähnliche strategische oder persönliche Gründe gibt es wohl auch bei dem einen oder anderen Verein, Dachverband oder Journalisten.

Doch hier wie dort handelte es sich bislang um eine Ansammlung von Einzelstimmen. Und wenn man schlussendlich von den negativen Stimmen einer höchstens im Widerkauen von Vorurteilen (Ausschreitungen etc.) BISSigen Bürgerinitiative redet, so darf man nicht die ebendieser gegenüberstehenden hunderten positiven Stimmen, die sich mit Leserbriefen, Internetstatements und anderen Aktionen zum Stadionprojekte bekennen, verschweigen.

Gerade daher wäre es auch Aufgabe aller konstruktiven Kräfte in der Politik – und nicht nur der Austria – gewesen, nicht bereits ein Monat nach Bekanntwerden der Stadionpläne einen vermeintlichen Rückzieher zu machen, sondern der Kritik sachlich zu begegnen und zu erkennen, dass angesichts der großen Zahl an BefürworterInnen die Politik besonders in Verantwortung ist, die vielfältigen Chancen dieses Projekts hervorzuheben.

Zum anderen kann ich die Kritik, dass die Austria nicht darauf hingewiesen hätte, dass auch andere Vereine vom Salzachstadion profitieren würden, nicht nachvollziehen wenn ich mir die offizielle Reaktion von Vereinsseite und die Medienberichte nach dem Bekanntwerden der Stadionpläne ansehe. Ein Auszug:

Generell benötigt nicht nur speziell die Austria, sondern ganz Fußball-Salzburg eine adäquate Spielstätte für bis zu 6.000 Zuseher. (Website des SV Austria Salzburg, 25.1.)

Diese Spielstätte soll aber nicht nur exklusiv der Austria, sondern auch allen Stadtvereinen für besondere Matches zur Verfügung stehen. (SVZ, 26.1.)

Die Notwendigkeit eines passenden Stadions für Fußball-Salzburg ist bekannt, da das Ausweichen nach Kleßheim mit großer finanzieller Belastung verbunden und für viele Vereine nicht realisierbar ist. (rlw.at, 26.1.)

“Das gemeinsam steht an erster Stelle”, zerstreut Gerhard Stöger schon im Vorfeld mögliche Sorgen der aktuell dort ansässigen Vereine. “Das Stadion ist ja nicht nur für die Austria, sondern für den Sport in Salzburg.”(salzburg-fussball.at, 26.1.)

Sportdirektor Stöger betonte auch, dass mit den in Liefering ansässigen Vereinen über die gemeinsame Nutzung der Anlage gesprochen werde. (derStandard.at, 26.1.)

Eines ist für Gerhard Stöger aber klar: „Das Stadion ist nicht nur für die Austria, sondern für den Salzburger Sport.“ (SN, 26.1.)

Wir streben eine Lösung an, die alle einbindet und zufrieden stellt“, hat Austria-Obmann Walter Windischbauer schon Kontakte geknüpft. Die projektierten drei Spielflächen neben dem Stadion sollen allen zum Trainieren und Spielen dienen. (Kronen Zeitung, 27.1.)

Dass zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens der Stadionpläne noch nicht ausreichende Gespräche mit anderen Vereinen, Verbänden, etc. geführt worden sind, ist dahingehend nachvollziehbar, da die Pläne frühzeitig an die Öffentlichkeit gelangten, worüber man gerade auch auf Seiten der Austria nicht glücklich war, jedoch umgehend mit positiven und das Gemeinsame hervorhebenden Argumenten reagierte.

Die – bis auf die Aussage dass auch in anderen wichtigen Bereichen wie Bildung oder Soziales dringend Investitionen benötigt werden (dann könnte ich aber auch das Salzachstadion wohl gegen zahlreiche weniger sinnvolle Investitionen aufwiegen) – relativ inhaltslose Kritik ist somit auch unter dem Gesichtspunkt der suboptimalen medialen “Frühgeburt” des Salzachstadions und den damit verbundenen Informations- und Kommunikationsdefiziten zu relativieren.

Und nachdem der eine oder die andere gerne mit dem vermeintlichen Totschlagargument kommt, dass mit dem EM-Stadion in Klessheim alias der Red Bull Arena ein Stadion zur Mitbenützung durch die Austria bereitsteht, möchte ich abschließend darlegen, warum dieses keine Alternative darstellt:

Erstens da die Austria aus nachvollziehbaren Gründen nicht in einer “Red Bull Arena” spielen wird. Zweitens da sich kein normaler Zweitligaverein die Kosten für Miete/Sicherheit/Gastro/etc. in diesem Stadion leisten kann. Drittens da ein 30.000 Zuschauer fassendes Stadion für Zweitligafußball überdimensioniert ist.

Viertens da eine komplette Neutralisierung des Stadions wie in anderen von mehreren Vereinen genutzten Stadien von Red Bull wohl nicht akzeptiert werden würde: Man denke an die im Red Bull Design gestalteten Graffitis und Beschilderungen, die von Red Bull genutzten Räumlichkeiten (Fanshop, VIP-Bereich, Skyboxen, Restaurant, Büros, etc.) oder die fix installierten Red Bull Werbebanden/-flächen samt dem aus bunten Schalensitzen geformten Red Bull Logo über die gesamte Osttribüne.

Fünftens da sich im Falle eines Zweitligaaufstiegs des Red Bull Kooperationsvereins Anif samt kolportierter Übersiedelung ins EM-Stadion diese Option ohnedies zerschlägt. Sechstens da das Ausweichen ins EM-Stadion nicht die Platzproblematik der Austria in Bezug auf die nicht vorhandenen Trainingsplätze für Kampfmannschaft und vor allem Nachwuchs löst. Diese Liste lässt sich gerne noch weiter fortsetzen…

Somit kann ich nur hoffen, dass die Verantwortlichen der Austria trotz dieses Rückschlags wie in der ersten offiziellen Raktion angekündigt die Stadionpläne weiterverfolgen. Und ich hoffe auf eure Leserbriefe, Internetpostings, Spenden, Unterschriften und andere kreativen Ideen und Aktionen für dieses wichtige Anliegen! In diesem Sinne halte ich euch selbstverständlich gerne auf dem Laufenden!

Discussion - One Comment
  1. florian migsch

    Feb 23, 2011  at 22:06

    Sehr gute Zusammenfassung die der Versachlichung der Diskussion hilft. Vieln Dank!

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