
Einen für sich sprechenden Eindruck von der aktuellen bildungspolitischen Diskussion rund um die Umschichtung der Lehrerarbeitszeit im Ausmaß von 2 Stunden von der Vorbereitung in den Unterricht bot die im Mittelpunkt der heutigen “Im Zentrum”-Diskussion gestandene Konfrontation zwischen Unterrichtsministerin Schmied und Lehrergewerkschafter Riegler. Das Resultat glich einer Selbstaufgabe der Lehrergewerkschaft, deren Vertreter implizit klarstellte, dass es ihm nicht um die Qualität des Schulsystems oder um die Schüler sondern um eine Blockadehaltung mit allen Mitteln geht.
Auf die erste Frage nach für ihn notwendigen und möglichen Verbesserungsmaßnahmen im Schulsystem kam ein Beleidigtsein über die Kommunikation von Schmieds Vorschlag. Auf die zweite Frage nach für ihn notwendigen und möglichen Verbesserungsmaßnahmen im Schulsystem kamen gedankliche Abschweifungen zum “Maikäfer zählen” und “Schifferl versenken”. Auf die dritte Frage nach für ihn notwendigen und möglichen Verbesserungsmaßnahmen im Schulsystem kam schlussendlich doch noch ein Vorschlag, nämlich eine Fehlerbehebung bei einem Computersystem, sodass sich alle Lehrer endlich problemlos für Fortbildungsmaßnahmen anmelden können. Konstruktive, innovative Ideen in Richtung Klassenschülerzahl, Lehrpläne, Schulautonomie, Karrieremodelle, Sprachförderung, Individualförderung, Unterrichtsgestaltung, etcetera: leider Fehlanzeige. “Wir werden unseren Mann stellen” - so die einzig deutliche Ansage Rieglers ausgerechnet am Weltfrauentag.
Diese Blockadepolitik, sei es von der Lehrergewerkschaft am Beispiel Riegler oder von der Politik am Beispiel Pröll & Neugebauer, muss endlich im Sinne einer gemeinsamen, konstruktiven Schulreform beendet werden! Wann begreift die Lehrergewerkschaft endlich, dass eine Mehrheit der Bevölkerung hinter Schmieds Vorhaben steht, dies nicht weil die Bevölkerung auf die Ferien der Lehrer neidisch, sondern weil sie um die beste Bildung für ihre Kinder bedacht ist? Wann erkennt die Lehrergewerkschaft, dass notwendige kurzfristige Anstrengungen mittel- bis langfristig für den Lehrberuf in sämtlichen Bereichen von einer leistungsgerechten Bezahlung über abwechslungsreichere Karriereentwicklungsmöglichkeiten bis hin zu einem modernen Arbeitsplatz Vorteile bringen werden?
Und wann begreift der Finanzminister endlich, dass eine angesichts der rasanten technologischen, sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen zu lange aufgeschobene Bildungsreform ein deutlich höheres Budget braucht und gemeinsam mit Innovation, Klimaschutz und Sozialwesen im Zentrum eines zukunftsfähigen Budgets stehen muss? All dies resultiert in der entscheidenden Frage: Wann bildet sich in der Bevölkerung endlich kollektiver, wahrnehmbarer Unmut über diese zu Lasten unserer Kinder und damit unserer Zukunft gehende Blockadehaltung, um den Lehrern und Politikern endlich klarzumachen, dass der einzige zukunftsfähige Weg in einer gemeinsamen, konstruktiven und mutigen Arbeit im Sinne der Schüler besteht? Einer Arbeit, die auch dementsprechende Finanzmittel bedingt, doch wie sagte bereits Benjamin Franklin: “Eine Investition in Bildung zahlt die besten Zinsen.”
Foto Credits: CC by kattebelletje
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Irgendwie verkennst Du hier die Lage. Die Gewerkschaft ist eine Interessensvertretung und als solche ist es ihre Hauptaufgabe, die Interessen der Lehrer zu vertreten. Alles andere ist da zunächst einmal Nebensache. Für Verbesserungsmaßnahmen im Schulsystem ist wohl die Politik zuständig und es kann nicht Aufgabe einer Gewerkschaft sein, einer durchgeknallten Ministerin den Steigbügel zu halten…
Ministerin Schmied hat sich bei der “neuen Mittelschule” (mit der sie massenweise todgeweihte Hauptschulen teuer rettet) übernommen, kann nicht mehr zahlen (ein Manager würde da schon unkant gefeuert werden
) und argumentierte dann haarsträubend (die Lehrer sollen als Beitrag zur Wirtschaftskrise um 2 Stunden mehr arbeiten etc). Eine Gewerkschaft, die da lammfromm mitgehen würde, würde am nächsten Tag schon von den Mitgliedern zu Teufel gejagt werden.
Es ist schon richtig, dass im Schulsystem Reformen dringend anstehen. Aber ein uraltes sozialistisches Modell wieder einmal hinter dem Ofen hervorzuziehen und es auf dem Rücken der Lehrer durchdrücken wollen, wird zuwenig sein. Und ein wirkliches Konzept dürfte die Ministerin ja nicht haben, denn vor dem Wirbel war da ja nichts zu hören. Jetzt, da sie die Lehrer schon vor den Kopf gestoßen und der Neidgenossenschaft zum Fraß vorgeworfen hat, brabelt sie plötzlich davon, dass es nachher (irgendwann halt) für die Lehrer in der Schule eh besser werden würde. Das glaubt ihr nur kein Lehrer mehr.
Dann ist die Mehrheit der Bevölkerung allerdings ahnungslos, denn der Vorschlag von Schmied bewirkt keine Verbesserung. Er belastet nur die Lehrer mehr - was gerade den guten Lehrern ein ordentliches Beil ins Kreuz jagt, die ihre Arbeitszeit bereits jetzt mehr als ausschöpfen und die zukünftig 30 Kinder mehr betreuen müssen.
Nur weil die Lehrergewerkschaft ein Haufen unfähiger Maurer ist der die Interessen der Lehrer nicht brauchbar vertritt (nicht umsonst sind so viele Lehrer nicht mehr organisiert), ist Schmieds Vorschlag noch lange nicht richtig. Dazu fehlen einfach die Begleitmaßnahmen.
Das Problem hat der Andi eh schon mehrfach angesprochen! Es ist nicht, dass Schmieds Vorschlag nicht genügend Begleitmaßnahmen umfasst oder, dass die Lehrergewerkschaft nur mauert - es ist das ewige kurzzeitge Denken der handelnden Persönlichkeiten. Es geht einfach nicht, dass innerhalb von einer Woche (Budgetverhandlung bist Ankündigung der 2 Stunden mehr) Frau Schmied sich wirklich auf lange Zeit ausgerechnet hat, ob eine derartige Veränderung sinnvoll ist! Es ist dieses typisch Westlerverhalten: WILL HABEN JETZT! Und nach mir die Sintflut! Aber so darf es nicht sein. Wir müssen Arbeitsgruppen bilden (in die übrigens Schüler, Lehrer, Politiker, Wissenschaftler und evt. Eltern eingeladen werden - was momentan nicht der Fall ist!) und in denen JAHRELANG!!! Diskutieren, Argumentieren, Streiten, Versöhnen und am Ende zu einer für alle tragbaren Lösung kommen, an die alle glauben!
Das Hinterzimmer-Verhandeln ist allerdings in demokratischer Hinsicht ein problematisches Modell eines korporatistischen Staates. Du kannst da keine Repräsentativität garantieren und majoritäre Grundsätze nicht beachten. Und schlussendlich werden Parteien auch für ihre Inhalte in die Machtpositionen gewählt - die sollten sie dann auch umsetzen. Die ganze Idee mit der technokratischen Konsensgesellschaft klingt gut, ist aber praktisch sehr starr: Wenn immer alle beteiligt sind, hat niemand die Verantwortung.
Das Problem ist meiner Ansicht nach vielmehr, dass (die eh auch ohne Meuschlerei konsensualen) Lösungen nicht umgesetzt werden. Zum Beispiel wollen soweit ich mich erinnere vier der fünf Parlamentsparteien eine Gesamtschule, aber weil die eine 25%-Partei seit bald 25 Jahren an der Regierung ist (deren Teilorganisationen sogar ebenfalls für die Gesamtschule sind), wirds nicht umgesetzt. Es besteht vermutlich völlige Einigkeit darüber, dass in die Bildung mehr investiert werden muss - aber es wird einfach nicht gemacht. Jeder wird wollen, dass gute Lehrer besser bezahlt werden - aber niemand tut irgendwas dafür. Kein Lehrer wird lieber Verwaltungstätigkeiten machen, als in der Klasse zu stehen - aber es wird ihnen aufgezwungen und dann werden sie dafür noch angepatzt. Jeder weiß, dass Medienkompetenz heutzutage nötig sind und dass die Menschen viel zu wenig über Politik wissen - aber wird auch nur eines dieser Fächer implementiert?
Was soll man da noch groß jahrelang überlegen? Die erfolgreichen Modelle von Staaten die uns teilweise jahrzehnte voraus sind liegen direkt vor unserer Nase, die Ideen wie es gemacht werden soll sind längst Konsens und die Parteien werden auch dafür gewählt und abgewählt.
Noch mehr Gremien braucht kein Mensch.
Stimmt, die Ideen liegen vor uns! Allerdings müssen wir die Ideen nehmen und sie in passende Konzepte umwandeln! Und deswegen sage ich: Wir brauchen nicht mehr Gremien, aber wir müssen dafür sorgen, dass in diesen Gremien ordentlich gearbeitet wird!
Was wir nicht brauchen sind Leute à la Fekter, Faymann oder Schmied (die übrigens von NIEMANDEM gewählt wurden) in der Macht - damit die ihre irren, irrationalen, unüberlegten und kurzfristigen Hirngespenster ausleben können, sondern Gremien (die wie gesagt möglichst viele Aspekte / Meinungen umfassen) die konsequent besonnen und nachhaltig Denken und dann dafür sorgen, dass diese auch umgesetzt werden! Unser postdemokratisches System mit einigen wenigen Machthabern widerspricht aber leider genau dieser nachhaltigen Politik.
Wenn ich dich den Artikel jetzt richtig verstanden habe, dann stehst du also hinter unserer Bildungsministerin. Korrigiert mich bitte, wenn ich falsch liege.
Wie bereits in anderen Kommentaren hervorkommt, ist diese Idee von unserer Frau Schmied einfach nur hirnrissig. Natürlich würde sie sich damit einiges an Ausgaben sparen, es wären ja um einges weniger Lehrer zu bezahlen. Folglich verlieren etliche Lehrer ihren Job, oder im Falle eines Junglehrers, bekommen sie garkeinen mehr. Außerdem spricht die Ministerin davon, dass die Lehrer dann mehr Zeit für die Kinder haben. In Wahrheit ist jedoch genau das Gegenteil der Fall. Wenn nämlich ein Lehrer jetzt 2 Stunden pro Woche dazubekommt, heißt das er bekommt eine zusätzliche Klasse zu unterrichten. Bedeutet wiederum mehr Schüler, mehr Arbeit, weniger Zeit.
Die Lehrergwerkschaft zu kritisieren halte ich ebenfalls für unangebracht. Es ist ihre Aufgabe die Meinungen und Anliegen der Lehrer zu repräsentieren und nicht die Bilungsreform durchzuführen. Dafür sollte es andere, dafür qualifizierte Personen geben (womit nicht unsere Bildungsministerin gemeint sein kann, da ihr gesamtes Wissen über das Schulwesen eigentlich nur darauf basiert, dass sie selbst einmal zur Schule gegangen ist)…
Ad Schmied: Hirnrissig war meiner Meinung nach nicht die Idee, sondern deren Kommunikation. Schmied hätte von Beginn weg zeigen müssen, wie ihre Vision einer umfassenden Bildungsreform aussieht und welche (kurzfristigen) Einschnitte dafür notwendig sind. Ich gehe davon aus, dass erstens - wie von Schmied versichert - keine Lehrer ihre Jobs verlieren und dass zweitens Junglehrer auch in Zukunft Jobs finden werden, insbesondere da - wie Studien und Pressemeldungen zu entnehmen - angesichts einer bevorstehenden Pensionierungswelle mit einem Mangel an Junglehrern in Bezug auf die Nachfrage zu rechnen ist.
Ad Lehrergewerkschaft: Sie repräsentiert mit einer 100%-Blockadehaltung sicher NICHT die Meinungen und Anliegen aller Lehrer! Würde es ihr tatsächlich um die Lehrer gehen, würde sie angesichts der öffentlichen Stimmung und der Möglichkeiten im Zuge einer umfassenden Bildungsreform in die Offensive gehen und im Gegenzug für die Umschichtung der 2 Stunden u.a. Reformvorhaben Verbesserungen für die Lehrer wie bessere Arbeitsplätze, bessere Fortbildungsmöglichkeiten, leistungsgerechtere Bezahlung, besseres Mentoring für Junglehrer, bessere Koordination zwischen Lehrern sowie mit Schülern und Eltern, etc. fordern. So zieht sie jedoch leider nur das Image der Lehrer nach unten und hilft damit weder den Lehrern noch den Schülern!
Ich denke, dass der Vorschlag ein falscher Ansatz ist und Fr. Schmied hier versucht das Geld, dass sie mit der schlecht konzipierten, idiotische Idee der neuen Mittelschule in den Sand gesetzt hat, irgendwie wieder einzutreiben.
Das Problem bei diesem Vorschlag ist, da stimme ich dir zu Andreas, dass sie keine weiterführendes Konzept vorschlägt und verleugnet, dass Lehrer entlassen werden müssten (oder per golden Handshake einige in Pension geschickt werden, was auch keine Lösung ist). Wieviel Lehrer genau entalssen werden müssten, ist nicht ganz sicher, wobei die Schätzungen von 10.000 der Gewerkschaft definitiv übertrieben sind. Allerdings sind in dieser Hinsicht mehrere Faktoren zu betrachten. 2 Stunden längere Arbeitszeit würde bei bestimmten Lehrern nicht umsetzbar sein. Ein AHS Lehrer mit Deutsch/Latein zb. würde eine Klasse zu seiner Lehrverpflichtung dazu nehmen müssen, was ihm zu den 2 Stunden noch 2 verpflichtende Überstunden aufzwingen würde. (wogegen man sich natürlich sträubt, bei der schlechten Bezahlung von Überstunden…)
Zudem muss man auch bedenken, dass eine Verlängerung der Arbeitszeit auch eine schlechtere Betreuung der Schüler zur Folge hätte.
Meiner Meinung nach, müsste mehr in die Schulen investiert werden, die Doppelgleisigkeiten der Verwaltung abgestellt und eine große Reform, die den Lehrern Anreize bietet und das “Management” der Schulen verändert. Kurz umrissen: Lehrer müssen leichter kündbar sein, wenn sie ihren Job nicht oder nicht gut erfüllen. Die Aufgabe von Direktoren müssen verändert werden (Pädagogische Leitung und nicht “Klopapier” Bestellungen abwickeln) und ein besseres Auswahlverfahren gehört eingeführt. Anreize für Lehrer, die sich wirklich Fortbilden und zb. auch neue Medien einsetzen (in einer Schule in der 10 Klassen mit Beamer/Smartboard ausgestattet sind, sollten mehr als 2 Lehrer bereit sein sich den Umgang zu lernen und diese auch zu nutzen)…
Wenn die Lehrergewerkschaft bei den Verhandlungen, wie bekannt wurde, die Pragmatisierung und ein Modell der Hacklerregelung für Lehrer fordert, dann treiben sie sich nur selbst in die mediale Katastrophe. Noch primitivere Vorschläge als die Frau Schmied haben wirklich nur mehr die Lehrergewerkschafter!