Vergangenes Wochenende war ich anlässlich des Earth Days bei einer Podiumsdiskussion im Vancouver Public Library, in der es um die brisantesten Energiethemen hier in der Provinz British Columbia ging.
Zwischen Albertas dreckigen Ölsanden im Norden und den energiehungrigen USA im Süden liegend sind die möglichen negativen Umweltfolgen von Pipelinelecks, Tankerunglücke & Co. für British Columbias wunderschöne Landschaft und Küsten allgegenwärtig. Und nicht zuletzt der gesundheits- und klimabewussten Einstellung vieler Menschen hier ist es zu verdanken, dass Fracking in British Columbia und Ölsande in Alberta besonders kritisch betrachtet werden.
Bis 2020 sollen sich laut Ben Parfitt und seiner Studie “Fracking up our water” die Treibhausgasemissionen aus der Schiefergasgewinnung mittels Fracking in British Columbia verdoppeln. Abgesehen von den negativen Klima- und Umweltfolgen und dem ungeheuren Wasserverbrauch bleiben außerdem nur 12,8% des gewonnenen Gases in British Columbia. Ein wesentlicher Teil wird mittels Pipelines in die USA exportiert, der überwiegende Teil (55,7%) wird jedoch nach Alberta geliefert, wo der größte Abnehmer die Ölsandindustrie ist.
Das muss man sich verdeutlichen: Das in seiner Gewinnung energieintensivste und umweltschädlichste Gas wird überwiegend dafür verwendet, um die wohl energieintensivste und umweltschädlichste Form der Ölgewinnung zu betreiben!
Ebendiese Ölgewinnung aus Ölsanden in Alberta soll sich bis 2020 verfünffachen und würde dann mehr Emissionen als alle Autos und LKWs zusammen in ganz Kanada verursachen. Vom ungeheuren Wasserverbrauch, den möglichen Gesundheitsfolgen (Fische mit Tumore sind leider schon Realität) und den Gefahren für das Trinkwasser, die Böden, den borealen Nadelwald und die Biodiversität ganz zu schweigen!
Doch zwei Pipelines quer durch British Columbia und 300 Öltanker pro Jahr in Vancouver bedrohen nicht nur British Columbias Natur, sondern sind eine Gefahr für die Wirtschaft und Arbeitsplätze, die von der unversehrten Landschaft (Tourismus, Fischerei, etc.) abhängig sind und für das klimaschädlichste Stillen des Energiehungers leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.
Warum nimmt die Politik diese Risiken auf sich? Die Antwort ist einfach: Drei Viertel der Einnahmen der Provinz Alberta stammen von Big Oil, die Ölsandindustrie hat die dortige Politik gekauft und das Volk freut sich über die im Landesvergleich niedrigen Steuern. Oder um es in den Worten von Tria Donaldson zu sagen: “There’s a lot of American money in Canadian Politics and foreign money in tar sands.”
