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Innovation & Wirtschaft & Soziales & Gender » Postkapitalismus: Wo sind die Frauen?
19Mär

Postkapitalismus: Wo sind die Frauen?

capitalism

Die Wirtschaftskrise ist vor allem eine Krise der Männer” sagt die Süddeutsche Zeitung und stellt anhand einer pointierten und genderwissenschaftlich fundierten Analyse über das unterschiedliche ökonomische Agieren von Frauen und Männern die Frage, ob diese Wirtschaftskrise auch mit mehr Frauen in Führungspositionen passiert wäre. Anders ausgedrückt: Wäre uns mit Lehman Brothers and Sisters das Schicksal von Lehman Brothers erspart geblieben, wie Nicholas Kristof in einem lesenswerten New York Times Kommentar andeutet?

Die Antwort auf diese vergangenheitsgerichtete Frage ist zwar rein hypothetisch, aber meiner Meinung nach klar: Frauen agieren ökonomisch vorsichtiger, verantwortlicher und nachhaltiger. Gemischte Teams in allen Unternehmensbereichen bis hin zum Topmanagement bringen aufgrund ihrer Diversität bessere und innovativere Leistungen. Und Unternehmen mit einem höheren Anteil an Frauen in Führungspositionen liefern gerade auch jetzt in Krisenzeiten eine bessere Performance. In der Krise des Kapitalismus wäre es daher umso wichtiger bei den Diskussionen und Entscheidungen über die Zukunft des Kapitalismus Frauen stärker (also gleichberechtigt) einzubinden als in der Vergangenheit.

Umso bedauerlicher ist es daher wenn in einer aktuellen Serie der Financial Times über die Zukunft des Kapitalismus unter den 50 Personen, die laut Meinung der renommierten Zeitung diese Zukunftsdebatte bestimmen werden, nur fünf Frauen angeführt sind. Um diese Ungerechtigkeit zu illustrieren: ebensoviele Personen, nämlich fünf, sind ehemalige Angestellte der Investmentbank Goldman Sachs, wobei davon auszugehen ist, dass der Anteil an ehemaligen Investmentbankern in der Bevölkerung deutlich geringer als der Anteil an Frauen ist. Diese mutlose Aufstellung mit einem Durchschnittsalter von 58 Jahren, einem Männeranteil von 90% und nur einer Person unter 40 Jahren unterstreicht, dass die aktuelle Debatte nur auf ein Aufrechterhalten bestehender Macht- und Systemverhältnisse und damit ein sinnloses Hinauszögern einer weiter anwachsenden Krise hinausläuft anstatt endlich wirtschaftlich, sozial und ökologisch umzudenken!

Verleihen wir daher in der wichtigen Debatte über die postkapitalistische Gestaltung unseres globalen Wirtschaftssystems vielmehr den mutigen, innovativen und engagierten Menschen - sowohl Männern als insbesondere auch Frauen - unser Gehör anstatt uns mit “more of the same” zufriedenzugeben! Denn unsere Zukunft liegt in Gender Diversity und Gender Equality und muss durch einen dahingehenden wirtschaftspolitischen Kurswechsel gerade in der gegenwärtigen Krisensituation endlich ernsthaft begonnen werden! Nur durch gelebte Fairness in diesem politischen, wirtschaftswissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs wird man die bestehenden Ungerechtigkeiten am Arbeitsmarkt beseitigen und das Wirtschaftssystem fairer, innovativer und nachhaltiger gestalten können!

Foto Credits: CC by Tracy O bzw. Screenshot FT.com

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Verfasst am 19.03.2009 um 17:46 Uhr von Andreas Lindinger mit den Stichworten , , , , , , , , , .
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Kommentare

  1. Martin Schimak19.03.2009

    Kann mir bitte jemand den Begriff “Kapitalismus” im hier gemeinten Sinn und in (antizipierter) Abgrenzung zum Begriff “Postkapitalismus” definieren? Was konstituiert den Kapitalismus und wieso ist daher das, was da kommt kein Kapitalismus in diesem Sinn mehr?

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    • Postkapitalismus verwende ich um deutlicher hervorzustreichen, dass eine neue Ära des Wirtschaftens mit stärkerem Fokus auf soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit notwendig ist, die einen Bruch zum reinen Renditegedanken der letzten Jahre und Jahrzehnte darstellt. Ich will hier aber weniger eine wissenschaftliche Definitionsdiskussion betreiben sondern vielmehr diese Begriffe als symbolhafte Sammelbegriffe zur klareren Abgrenzung von Vergangenheit und Zukunft verwenden.

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    • Martin Schimak20.03.2009

      Ok. Laut Wikipedia ist Kapitalismus eine “Wirtschaftsordnung, die auf Privateigentum und Marktwirtschaft” beruht und Marktwirtschaft “eine arbeitsteilig organisierte Wirtschaftsordnung, in der die Koordination von Produktion und Konsum über das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage auf Märkten erfolgt. Grundlegende Elemente einer Marktwirtschaft sind das Eigentumsrecht, die Vertragsfreiheit und die Wettbewerbsordnung.”

      Ich habe schon verstanden: keine wissenschaftliche Definitionsdiskussion. Aber trotzdem: Welches dieser konstituierenden Elemente einer Marktwirtschaft wollen wir in naher Zukunft aufgeben oder soweit adaptieren, dass es gerchtfertigt wäre, davon zu sprechen, dass wir dieses “System” hinter uns lassen? Das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage auf Märkten? Das Privateigentum, die Vertragsfreiheit, gar die Wettbewerbsordnung?

      Wir haben in Europa ein Mischsystem aus genau dieser Marktwirtschaft und relativ starken Staaten, die öffentliche Dienstleistungen erbringen. Geht es daher darum, dieses System nun auf die ganze Welt zu übertragen? Wäre vermutlich gar nicht die schlechteste aller Varianten, klingt dann aber aus ebendieser europäischen Perspektive auch wieder nicht wirklich hip.

      Der Beitrag von Armin Soyka weiter unten zeigt für mich genau, dass wir derart (indem wir dem “System” ganz grundlegend die Schuld geben) keinen Zentimeter weiterkommen. Natürlich brauchen wir weitere Schritte in Richtung einer Ordnung inklusive einer “Marktordnung”, in der Nachhaltigkeit und Chancengerechtigkeit selbstverständlicher Bestandteil geworden sind - und das Nachdenken darüber, welche ganz konkreten Schritte uns dem näher bringen ist mühsam. Das Gerede von der Überwindung des “Kapitalismus” ist demgegenüber für mich heute aber nicht nur mühsam (weil es den Kern der eigentlich notwendigen Debatte nicht trifft), sondern zunehmend auch gefährlich. Weil es nämlich genau diese umstürzlerische Systemkritik befördert, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sich dann auch mal zu einem sehr unangenehmen Gebräu formieren kann. Dann werden wir demnächst nämlich wieder mal brandschatzend durch die Gegend laufen, und (hoffentlich nur) Schaufenster einschlagen - ohne zu wissen, was das eigentlich bringen soll, was dadurch besser werden soll, oder was wie genau eigentlich “anders” werden soll.

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      • Werner Becher20.03.2009

        … teile Deine Meinung 100%ig!

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      • Danke für deinen Beitrag, Martin! Unter diesem Gesichtspunkt wäre es natürlich zu überlegen, ob nicht ein Begriff wie “Kapitalismus 2.0″ o.ä. treffender wäre. Andererseits motiviert der Begriff “Postkapitalismus” zu Grundsatzdiskussionen und zeigt deutlicher, dass einige systemische Änderungen am gegenwärtigen (globalen) Wirtschaftssystem notwendig sind. Dass diese Änderungen kein radikaler Systemumsturz sein werden und sollen, habe ich bereits an anderer Stelle folgendermaßen formuliert:

        Manche wiederum fordern radikale Systemwechsel, die aufgrund der großen Interdependenzen von Ökologie, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, etc. in Zeiten der Globalisierung jedoch meiner Meinung nach nicht plan- und kontrollierbar wären. Umso wichtiger ist es daher, klare gemeinsame Ziele und Wege zu entwickeln, die kontinuierlich, mutig und pragmatisch die vielen Problembereiche anpacken und somit Schritt für Schritt sowohl mit größeren als auch mit kleineren Schritten etwas zum Positiven ändern!

        Es geht meiner Meinung nach vor allem um eine Neudefinition/Ausweitung der Ziele vom reinen Wachstums-/Renditestreben zu zusätzlichen Zielen im Hinblick auf Ressourcenverbrauch, Verteilungsgerechtigkeit, Armutsbekämpfung, qualitative Wertschöpfung, etcetera. Gerade ökologische und soziale Kosten müssen endlich fair in die Produkte/Dienstleistungen eingepreist werden.

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  2. Armin Soyka19.03.2009

    da hat’s einer auf den Punkt gebracht! Respekt =)

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  3. Werner Becher19.03.2009

    Andreas ich teile Deine Analyse, dass Männer tendenziell risikobereiter sind als Frauen und wir unbedingt mehr Frauen in Führungspositionen und dadurch mehr gemischte Teams brauchen.
    „Leider“ kann man aber keine Tendenzen sondern „nur“ tatsächliche Menschen einstellen und Individuen halten sich im Einzelfall in der Praxis nun mal nicht an Statistiken = in der Realität ist nicht jede Frau wirklich ökonomisch vorsichtiger, verantwortlicher und nachhaltiger als Männer, was die Sache in der Praxis/Wirtschaft nicht unbedingt vereinfacht. Wie kann deshalb in der Praxis und nicht nur wie leider seit vielen Jahren in der Theorie, wenn möglich auch noch ohne Zwang, erreicht werden, dass Frauen endlich viel viel stärker in Führungspositionen vertreten sind?

    Ich bin übringens als Liberaler davon überzeugt, dass wir KEIN postkapitalistisches System brauchen, denn unser aktuelles System hat uns sehr viel Wohlstand, aber vor allem Freiheit gebracht. Ganz sicher ist unser aktuelles Wirtschaftssystem nicht perfekt – ganz im Gegenteil, die aktuelle Krise zeigt die politischen Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit, speziell den fehlenden Ordnungsrahmen im Finanzsystem und eine nicht existente Kontrolle durch international vernetzte Finanzmarktaufsichten sehr deutlich auf.

    Aber von den derzeit so oft geforderten „anderen“ oder „postkapitalistischen“ Systemen gibt es bis dato nur sehr vage, allgemeine und theoretische Überschriften, die Ihre Tauglichkeit in der Praxis noch nicht unter Beweis gestellt haben und hoffentlich auch nie werden, da sie wie alle „sozialen“ Systemen nur dazu führen würden, dass sehr rasch alle Menschen gleich arm werden würden (siehe Geschichte und lückenlose Beweisführung der letzten 100 Jahre).

    Putzig finde ich in diesem Zusammenhang die derzeit von vielen staatsgläubigen Freunden/Innen ( u.A. Laura Rudas, die aber wie ich zu Ihrer Verteidigung anführen muss, auch nicht unbedingt als wirtschaftlich sehr versiert bekannt ist) geforderte „gesteuerte Marktwirtschaft“ .

    Der übliche, wenn auch vermutlich absichtlich nicht benutzte Terminus für dieses Wirtschaftssystem ist PLANWIRTSCHAFT - würden dann aber auch (fast) alle Wähler verstehen und nach den Erfahrungen unserer östlichen Nachbarländern mit diesem System nicht wirklich ernst nehmen :-)

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    • Armin Soyka20.03.2009

      da hast du glaub ich was falsch verstanden! Unser System ist nicht “nicht ganz perfekt” und hat Fehler! (”die aktuelle Krise zeigt die politischen Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit, speziell den fehlenden Ordnungsrahmen im Finanzsystem und eine nicht existente Kontrolle durch international vernetzte Finanzmarktaufsichten sehr deutlich auf.”) Dieses System schafft Wohlstand - JA aber nur für einige wenige - auf kosten vieler! 10 % der Weltbevölkerung nutzt 80 % aller Verfügbaren Resourcen - dass es denen gut geht, darüber brauchst du dich nicht zu wundern! Jährlich verhungern 30.000.000 Menschen (soviele wie alle Österreicher (8mio), Kroaten (5mio), Tschechen (10mio), Slowakei (5mio) zusammen!). Dass ist kein System das Wohlstand schafft, sondern auf Basis des maximalen Profits Geld umverlagert zu denen die eh schon viel haben! Lass dir diese Zahl mal auf der Zunge zergehen: 30 Milionen Menschen (!!!) pro Jahr!

      Unter gesteuerter Marktwirtschaft verstehe ich auch Planwirtschaft - und du hast Recht, dahin wollen wir auch nicht! Das Funktioniert genausowenig wie der freiestmögliche Mart (der “Freie Markt” ist unmöglich, da ausschließlich auf Profit geschaut werden würde und dadurch eine noch größere soziale Ungerechtigkeit als heute entstehen würde)!

      Wir brauchen endlich ein System, dass weggeht vom maximalen finanziellen Gewinn. Es geht nicht um Geld, es geht um Glück, Zufriedenheit, Anerkennung, Liebe! Ich habe auf deiner Website gesehen, dass du Frau und 2 Kinder hast - ich bin sicher du teilst meine Meinung!

      Natürlich habe ich kein fertiges Konzept in der Tasche! Natürlich kann ich dir nicht sagen, was die perfekte Alternative ist, die genau diese oben genannten Bedürfnisse befriedigt! Aber ich kann dir sagen, wenn wir alle darüber nachdenken, werden uns Ideen kommen! Und das halte ich für wesentlich erstrebenswerter als zu sagen, dass das System, dass auf Ökologie, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit scheißt eh gut ist!

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      • Werner Becher20.03.2009

        Lieber Armin, Du hast natürlich absolut Recht, dass das Thema Armutsbekämpfung extrem wichtig ist und zukünftig deutlich mehr Augenmerk auf dieses Thema gelegt werden muss.

        Um aber die zumindest aus meiner Sicht nicht falschen Ursachen zu bennen, bitte Dich aber mal einen Blick in jene Länder zu werfen, die von Armut besonders bedroht sind: Dabei handelt es sich entweder um sozialistisch/kommunistische Staaten (Nordkorea, Kuba, China, Bolivien, …) oder um korrupte Diktaturen bzw. Pseudodemokratien (bspw. viele afrikanische Länder, Bangladesh, …) -> freie demokaratische Marktwirtschaften werden nicht sehr viele dabei sein.

        Als Liberaler und Fan der Globalisierung bin ich davon überzeugt, dass protektionistische Umverteilungsmassnahmen (Solidaritätsgeschenke) in diese Länder keinen nachhaltigen Effekt haben können, sondern stattdessen wir unsere Subventionierung im Agrar- und Lebensmittelbereich raschest möglich elliminieren sollten!

        Nur ein globalisierter freier und und auf Basis eines gemeinsamen Ordnungsrahmens dann fairer Welthandel gibt den noch weniger entwickelten Staaten die reale Chance mit ihren Agrarprodukten als ersten Schritt ihre Wirtschaft entwickeln zu können - mit unseren hochsubventionierten Agrarprodukten zerstören wir jeden auch noch so kleinen Keim in diesen Ländern!

        Ich teile auch Deine Meinung, dass es im Leben um viel mehr geht als Geld. Geld ist aus meiner Sicht aber nur ein Instrument für Leistungsorientierung. Ohne Anreiz durch Leistung einen besseren Lebensstandard erreichen zu können, funktionieren Gesellschaften leider nicht, wie der Kommunismus über viele Jahre nur wenige Kilomter östlich von uns eindrucksvoll bewiesen hat - wieviele (vorallem junge) Menschen aus den ehemaligen Ostblockstaaten würden wohl gerne die Uhr zurückdrehen und wieder im Kommunismus leben wollen - wohl nur einige wenige korrupte Parteibonzen oder?

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  4. Danke für deinen Beitrag! Ich frag mich auch schon die ganze Zeit: Wo sind die Frauen? Warum werden sie nicht durchgelassen? Warum nicht gehört?

    Spannend fand ich dazu die Geschichte von Brooksley E. Born, Leiterin der kleinsten der vier Marktaufsichtsbehörden der USA, die gewarnt hat und nicht gehört wurde!
    http://www.martina-berthold.at/?p=310

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  5. cdw20.03.2009

    dazu sag ich nur: cannabalize yourself

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  6. cdw20.03.2009

    im übrigen: nur weil die frauen etwas NICHT gemacht haben, heißt das nicht, sie würden es besser machen… vor allem frag ich mich: warum tun sie es nicht einfach? wer hinder sie daran?

    in freudiger erwartung der gender-keule, cdw

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    • Ad cdw: Danke für die provokanten Thesen. Die Aussage war auch nicht, dass es Frauen allein besser machen würden, sondern dass gerechter gemischte Teams - die es leider in der Politik & Wirtschaft gerade auf Ebene der Entscheidungsträger idR nicht gibt - wahrscheinlich besser agieren würden.

      Wer Frauen daran hindert? Systemische Benachteiligung im Beruf, bestehende Gender-Stereotype, der träge Veränderungswille vieler Männer bzw. des Systems an sich, etcetera. Nachgefragt: Warum ist folgende Definition von Elternarbeit immer noch die Ausnahme anstatt die Regel: http://www.nytimes.com/2008/06/15/magazine/15parenting-t.html

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  7. cdw23.03.2009

    ich weiß, ich bewege mich mit meinen “argumenten” fernab jeden wissenschaftlichen terrains, will das aber auch gar nicht, sehe mich - auch berufsbedingt - eher als einer, der über die “volksmeinung” - sofern es eine solche gibt - gut bescheid weiß.

    was “systematische benachteiligung” im beruf angeht, muss man fragen, woher diese kommt: hier allein den männern die schuld zu geben, wäre falsch, denke ich. man sehe sich berufseinsteiger-statistiken an - bei den lehrberufen ist friseurin, etc. immer noch die klare nummer 1 bei den mädchen / jungen frauen. vielfach habe ich auch das gefühl, frauen ordnen sich - bewusst? - unter, beruflich jedenfalls. karrierismus passt bei frauen - biologisch bedingt? - oft nicht ins rollenbild. - hier sind wir bei den “gender-stereotypen”, die du, andi, angesprochen hast - sie zu aufzuweichen, kann nur ein lang angelegter prozess sein, der jahrzehnte dauern wird.

    “veränderungswillen” von “den männern” zu fordern ist einerseits berechtigt, andererseits etwas utopisch: gerade schlechter qualifizierte männer haben angst vor beruflich starken frauen - warum sollten sie am eigenen (beruflichen) ast sägen? für den gedanken an die sehr wahrscheinlichen positiven gesellschaftlich effekte, die mehr berufliche gleichberechtigung von frauen haben würde, reicht zudem vielfach nicht der geistige horizont.

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  8. Denki10.06.2009

    Bei diesem Artikel komm ich zum Enschluss, dass auch Männer wie der Andi eigentlich besser hinter den Herd gehören.
    Ja, das war die richtige Antwort, einfach plump und machomäßig draufhauen, was anderes geht angesichts dieses Artikels nicht, tut leid.
    Na, klar, die Frauen die würden alles besser machen, die Welt ist nur deswegen so schlecht, weil die bösen Männer agieren, Frauen werden die Welt retten, wenn sie mal ans Ruder dürfen.
    Und der Weihnachtsmann kommt durch den Kamin.
    Da frag ich mich wirklich, ob man einen HC Strache noch wirklich kritisieren kann….:
    Naja, die nächste Wienwahl wird die Antwort liefern.

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    • Zuerst einmal hast du mit deiner Feststellung, dass ich hinter den Herd gehöre, durchaus Recht, da mir das Kochen und Backen meistens recht große Freude bereitet. Um das Ganze ernsthafter zu entgegnen, möchte ich nur feststellen, dass ich im obigen Text nicht gesagt habe, dass Männer böse seien und Frauen alleine die Welt retten würden.

      Vielmehr läge eine Verbesserung des Status quo in mehr Gleichberechtigung im Sinne von gemischten Teams in allen Unternehmensbereichen bis hin zum Topmanagement, vor allem also auch in mehr Geschlechtergerechtigkeit in Entscheidungspositionen. Hier sollte es - wie in so vielen Lebensbereichen - nämlich nicht um nur Männer oder nur Frauen gehen, sondern um ein faires und ausgewogenes Miteinander beider Geschlechter.

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      • Werner Becher10.06.2009

        Da wirst Du keinen einzigen vernünftigen Menschen finden, der Dir widersprechen, nämlich dass wir ein faires und ausgewogenes Miteinander beider Geschlechter bestmöglich erreichen müssen.

        ABER: WER soll WIE entscheiden,was “fair”, “ausgewogen”, “gerecht”, etc. ist?

        Wie schon mal erwähnt, sollten nicht nur Frauen in einem fairen und ausgewogenen Verhältnis ihren Anteil in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen haben sondern auch die Angehörigen von Religionsgemeinschaften, Hautfarben, Ethnien, Bundesländern/Regionen, sexuellen Orientierungen, links/rechtshänder, blonde/brünette/schwarzhaarige, etc.

        Dass eine solche Regulierung und damit bürokratische Herstellung von Fairness, Ausgewogenheit und dgl. niemals funktionieren kann, müsste doch eigentlich logisch sein.

        Als Liberaler ist mir das demokratische Prinzip, auch wenn es im Einzelfall niemals perfekt sein kann, noch immer am liebsten, nämlich dass jeder Mensch für sich entscheidet, was das Beste ist und sich damit über eine gesamte Gesellschaft bzw. den Markt am besten diese Ausgewogenheit herstellen lässt

        -> sicher nicht durch Gesetzte für alle möglichen Gruppen, in die man Menschen einteilen kann und die dann alle fair und ausgewogen immer und überall besetzt werden wollen - wäre schön, leider aber nur in der Theorie möglich.

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  9. Tamara Erceg29.08.2010

    “Postkapitalismus: Wo sind die Frauen?”
    1. Machen Sie Witze, oder!!! Seit wann haben die Frauen was zu sagen im einem patriarchalen Gesel
    lschaft! Die Frauen, besonders
    die Christinnen, bremsen die
    Frauenrechte selbst! Also die
    Christinnen, bzw. Jesuitinnen,
    sind gegen den Frauen!
    Die sind so erzogen worden!
    Dioe Frauen selbst sind ge
    gen Frauen!!! ( Simone de
    Bevauoir )

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  10. Tamara Erceg29.08.2010

    Dass die Frauen keine Rechte haben, und noch immer nichts
    zu sagen durfen, sollten man
    die Bischofinnen und Theologin
    nen danken! Solche christl. Imbe
    zilen, im weiblichen Uniform,
    kampfen eigentlich fur den
    biblischen Patriarchat!
    Weihnacht ist ein trojanisch-patri
    Pferd im Menschenrechte!!!
    Solange solche dumme Weiber
    an Jesus glauben, haben die
    Frauen nichts zu sagen!

    Marxistin!!!

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  11. Werner Becher20.03.2009

    Lieber Andreas, da stimme ich Dir vollkommen zu - wir benötigen eine neue Definition von Wachstum und Renditen -> Kapitalismus 2.0 gefällt mir dazu deutlich besser, weil damit eine Weiterentwicklung aber kein vollkommen anderes System suggeriert wird.

    Ich bin ja seit einigen Wochen nach dem Verkauf meiner Firma jetzt selbst Manager der berichtspflichtigen Tochter eines börsennotierten Unternehmens. An der Börse werden von Aktionären Unternehmen einer Branche miteinander verglichen und die Investments gehen dann hauptsächlichen zu jenen Unternehmen, die in den letzten Monaten die höchsten Renditen erwirtschaftet haben, weil Aktionäre davon ausgehen, dass sich die kurzfristige Vergangenheit fortsetzen wird - den anderen Unternehmen wird Geld entzogen. Wenn einzelne Unternehmen aber auf nachhaltiges Wirtschaften verzichtet und nur noch in Hinblick auf den jeweils nächsten Quartalsbericht ihre Erträge optimieren (keine Forschung, keine Investments in Weiterbildung und Bindung der Mitarbeiter, …) können sie natürlich kurzfristig entsprechend gute Zahlen liefern und alle anderen nachhaltig ausgerichteten Unternehmen schauen in der leider derzeit üblichen kurzfristigen Betrachtung sehr sehr schlecht aus! Wenn man dann auch noch die Manager mit Optionsprogrammen und dgl. auf Basis des Börsenkurses entlohnt, darf man sich nicht wundern, wenn nachhaltiges Management zur Rarität wird.

    Aus meiner Sicht muss deshalb neben einem gesetzlichen Ordnungsrahmen für die Finanzwirtschaft inkl. dessen Kontrolle auch unbedingt über die Bewertung von Unternehmen an den Börsen nachgedacht werden, da dieses kurzfristige Denken ja nicht nur der Volkswirtschaft sondern auch dem jeweiligen Unternehmen selbst schadet - ohne langfristige Investments wird der REALE Unternehmenswert sehr bald sinken.

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  12. Martin Schimak20.03.2009

    @Andreas, @Werner, jetzt sind wir bei der Art von fruchtbaren Debatte angelangt, um die es gehen würde. Konkrete Verbesserungsvorschläge für konkrete Mißstände. Ich halte es in dem Zusammenhang eben für ganz wesentlich, dass man auch in einer Zeit, in der die Marktwirtschaft als Ganzes ins Gerede kommt ganz klar sagt, dass das was sie im Kern eigentlich ausmacht für einen selbst eben nicht zur Debatte steht. Wenn man das nicht tut, fährt man meines Erachtens in eine Sackgasse voll dumpfer, meist rückwärtsgerichteter Emotionen. Und in dieser Sackgasse diskutieren wir dann gebetsmühlenartig wieder jene “Systemfrage” die auch für mich im 20. Jahrhundert entschieden wurde. Wir müssen aber die Diskussionen des 21. Jahrhunderts führen. Ohne Sackgassen, ohne Gebetsmühlen und ohne Scheuklappen.

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  13. Tom Schaffer10.06.2009

    die gesetze sind ja nicht als ewige regelung gedacht, sondern als starthilfe. wer diskriminiert wird, der bekommt im gegenzug etwas hilfe. gerade beim thema mann/frau ist die gerechtigkeitsdefitzit relativ klar zu bestimmen. maßnahmen kann man auf sehr sinnvolle weise machen - oder ganz schlecht.

    jedenfalls muss man aber wirklich nicht auf reflex schon zB beim wort “quote” immer gleich das monster von der bösen bürokratie an die wand malen.

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  14. Werner Becher10.06.2009

    … auch “Starhilfe” gefällt mir nicht, weil sie eine ungleiche Verteilung der Möglichkeiten impliziert und damit zu Chancenungleichheit führt = ein Problem ersetzt ein anderes.

    Beispiel: Männer als Bewerber würden benachteiligt werden, nur weil zufällig beim entsprechenden Unternehmen bereits mehr Männer als Frauen arbeiten - was kann der entsprechend benachteiligte Mann bzw. die protegierte Frau dafür?

    Meines Erachtens hilft nur, dass sämtliche benachteiligte Gruppen (zu denen Frauen leider nach wie vor gehören) aktiv auf ihr Recht auf CHANCENGLEICHHEIT pochen und bei Verdacht auf bspw. geschlechterspezifische Diskremminierung die entsprechende juristische Mittel ausnutzen und sich in einem Rechstsstaat ihr Recht verschaffen. Mit der Keule statistischen Kennzahlen hinterher zu laufen ohne auf die individuelle/persönliche Situation und damit Freiheit des Einzelnen Rücksicht zu nehmen, kann meiner Meinung nach nicht funktionieren.

    Was meinst Du? Kann mit einer gesetzlich verordneten Bevorteilung von Frauen die Situation für die Frauen im Einzelen wirklich langfristig verbessern?

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  15. Werner Becher10.06.2009

    … sorry auch für meine diversen Tippfehler :-)

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