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18Jun

Nachricht aus Teheran: “Sie alle haben dieses Mal für den Wechsel gestimmt”

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Nachdem ich gestern an der Demonstration für die iranische Bevölkerung in Wien teilnahm, erreichte mich heute über einen Freund ein E-Mail aus Teheran, in dem die Ereignisse vom vergangenen Wochenende hautnah geschildert werden. Es belegt, wie der “Hoffnung auf eine bessere Zukunft”, dem Wunsch nach einem Ende der “massiven Unterdrückung” und den “Forderungen nach Freiheit” durch “Manipulation und Fälschung” ein undemokratisches Ende gesetzt wurden. Gerade die Schilderungen vom durch die Hoffnung auf den Wechsel getragenen enormen Andrang auf die Wahllokale unterstreicht dabei, dass die Zeit für eine friedliche und demokratische Wende reif gewesen ist.

Gerne möchte ich die Nachricht daher anonymisiert und mit geringfügig korrigierter Rechtschreibung hier veröffentlichen, da sie inmitten der zahlreichen Meldungen der vergangenen Tage einen sehr guten und persönlichen Einblick in die jüngsten Ereignisse gibt:

“Die Nachricht über die Präsidentschaftswahl im Iran mit ein wenig Hoffnung auf eine bessere Zukunft und eine Entspannung der schon festgefahrenen Beziehung zum Westen, so glaube ich, hat die ganze Welt erreicht. Die bescheidenen Erwartungen und Hoffnungen sind leider nicht in Erfüllung gegangen. Nicht, dass die Iraner/innen den “gemäßigten” Kandidaten - Mussavi - nicht wählten, sondern der Wahlausgang ist nur durch Manipulation und Fälschung zugunsten des amtierenden Präsidenten zustande gekommen. Dabei haben wir eines gezeigt: Wir sind weder politisch noch physisch erledigt und wir sind fähig uns der neuen Situation anzupassen und uns für den nächsten Schritt vorzubereiten. Der einzige Wermutstropfen ist, dass wir von der Geschichte fast nicht lernen!

Die kurzfristige Atempause nützten die jungen Iraner/innen aus und strömten - wie Pilze aus dem Boden geschossen - durch die Straßen um ihre Forderungen nach Freiheit, Arbeit, … zum Ausdruck zu bringen. Es waren vor allem die innenpolitischen Fragen, die unheimlichen Mobilisierungseffekt zeigten und nicht etwa die Nuklearfrage - wie manche hofften. Und das hat die extrem Konservativen richtig herausgefordert und sie zugleich einander näher gebracht - zum Schutz ihrer Interessen und der Macht. Bei Konfrontationen zwischen den Kandidaten wurden Tabus gebrochen, was manchen Gegenkandidaten nutzte.

Dennoch hat der Wahlausgang nicht den erhofften Wechsel und das Ende der Vetternwirtschaft und Verschwendungspolitik sowie ein Ende der massiven Unterdrückung gebracht, obwohl die Menschen zu den Wahllokalen geströmt sind. Ich bin selbst drei Mal am Wahltag aufgebrochen, um zu sehen, wie stark die Wahllokale von Wählern besucht werden: erstaunlich sehr hoch. Sie waren Wähler wie ich, die vor vier Jahren nicht zu den Urnen gingen und sie alle haben dies Mal für den Wechsel gestimmt. Nicht zu vergessen, dass zwei Drittel der iranischen Bevölkerung in den Städten lebt. 

Wir werden auch dieses Mal den nun uns oktroyierten Präsidenten überleben; die Frage ist nur, ob das System uns überleben wird.”

Für mich ist es besonders beeindruckend, wie der Schreiber dieser Zeilen vergangenen Sonntag inmitten der Enttäuschung und Wut gemeinsam mit zahlreichen anderen IranerInnen die Hoffnung auf ein freies und demokratisches System ohne Unterdrückung nicht aufgibt. Es liegt an uns, diese Hoffnung durch zahlreiche solidarische Zeichen und Taten zu unterstützen! Und es ist die soziale und politische Verantwortung der PolitikerInnen in Österreich und Europa, massiv für eine Aufklärung des offensichtlichen Wahlbetrugs einzutreten!

Foto: CC by Tom Schaffer / ZurPolitik.com

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Verfasst am 18.06.2009 um 0:16 Uhr von Andreas Lindinger mit den Stichworten , , , .
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